Leitkultur: Flämisches Parlament räumt Fehler über Kollaborateure in Porträtgalerie ein

“August Borms und Staf Declercq, zwei Kollaborateure unter der deutschen Besatzung, hätten nicht in die Übersicht der Persönlichkeiten aufgenommen werden dürfen, die Flanderns Emanzipation geprägt haben", sagte die flämische Parlamentspräsidentin Liesbeth Homans (N-VA) am Montag in einer Erklärung.

Dass August Borms und Staf Declercq in dieser Übersicht standen, hatte viele kritische Reaktionen hervorgerufen, insbesondere seitens der flämischen Sozialsten (SP.A), Grünen und der linksextremen PVDA. Für das flämische Parlament aber “dürfen die dunklen Seiten unserer Geschichte nicht übersehen werden.” 

Zur Feier des 50-jährigen Jubiläums hatte das flämische Parlament unter der Leitung von Liesbeth Homans (N-VA) beschlossen, in einer Sonderausgabe des Magazins Newsweek 14 Persönlichkeiten hervorzuheben, die "zur Emanzipation des Volkes und seiner Sprache beigetragen haben". Zu den wichtigen Persönlichkeiten gehörten auch die bekannten Kollaborateure August Borms und Staf De Clercq. 

In der Presse und in den jüdischen Vereinigungen wurde empört reagiert.  

Der Landtag kam dann mit einer ersten Erklärung, um die Gemüter zu besänftigen, aber ohne Erfolg. Nach einer Diskussion mit dem Forum der jüdischen Organisationen erstellte das Präsidium des Parlaments eine neue Mitteilung, die erklärt, warum August Borms und Staf Declercq in dieser Übersicht enthalten sind.  

“Die Erwähnung dieser beiden Personen (...) ist besonders heikel, aber die dunklen Seiten unserer Geschichte sollen nicht ignoriert werden. Nur wenn man diese kritisch betrachtet, kann man Lehren ziehen", hieß es im flämischen Parlament. 

Neben der Übersicht der “Emanzipatoren” standen in derselben Ausgabe von Newsweek auch Artikel der Historiker Bruno De Wever und Emmanuel Gerard, die die Zusammenarbeit mit den deutschen Besatzern "als schwarze Seite" in der flämischen Geschichte beschreiben. 

Das flämische Parlament hat nach der Kontroverse aber eingeräumt, dass weder Borms noch Declerq neben illustren Persönlichkeiten wie Edward Coremans, Adolf Daens und Camille Huysmans hätten stehen dürfen.  

Während des Ersten Weltkriegs war August Borms (oben rechts) bereits ein Aktivist, der mit deutscher Unterstützung für die Emanzipation der Flamen kämpfte. Deswegen war er zu lebenslanger Haft verurteilt worden, kam aber früher frei. Auch im Zweiten Weltkrieg arbeitete Borms mit den Deutschen zusammen. Er wurde zum Tode verurteilt und 1946 erschossen. 

Staf Declercq (unten), Gründer des Vlaams Nationaal Verbond, machte sich ebenfalls die Nazi-Thesen zunutze und kollaborierte aktiv mit den Besatzern und der Flämischen Legion. Er starb 1942 in Gent.

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