Studie warnt vor möglicher Dominanz der britischen Corona-Variante in Belgien

Laut einer Studie des Rega Institute for Medical Research, ein der Uniklinik (UZ Leuven) und der Universität von Löwen (KU Leuven) nahestehendes Labor, könnten bis Ende Februar bis zu 90 % aller neuen Corona-Infizierungen die ansteckendere britische Variante betreffen. An dieser Studie haben 17 führende Wissenschaftler und Experten aus ganz Belgien mitgearbeitet. Für Flanderns Ministerpräsidenten Jan Jambon (N-VA) sind die aktuellen Entwicklungen kein Grund zur Panik: „Viel Raum für zusätzliche Maßnahmen haben wir nicht mehr.“ 

Nach Ansicht dieser Wissenschaftler, unter denen führende Virologen, wie Marc Van Ranst und Emmanuel André von der KU Leuven oder der Mikrobiologe Herman Goossens von der Antwerpener Universität (UAntwerpen) sind, rücke die britische Variante in unserem Land rasch vor und könnte die bisher bekannte Variante überflügeln.

Nicht zuletzt sei die britische Variante nach ersten Erkenntnissen bis zu 65 % ansteckender als die „normale“ Variante. Zwar sei die Datenlage in dieser Frage noch nicht sehr groß, doch man könne schon jetzt feststellen, dass diese Entwicklung bereits Ende Februar drohe.

Virologe Van Ranst sagte dazu am Mittwochabend in der VRT-Sendung „De afsprak“ („Die Verabredung“), dass erhebliche Probleme drohen: „Wenn sich an der heutigen Politik nichts ändert, dann haben wir im Februar oder März ein Problem. Aus dem Bericht ist ersichtlich, dass sich mehr Maßnahmen aufdringen, doch wenn sich schon jeder an die heutigen Maßnahmen halten würde, dann hat das auch seinen Effekt.“ 

Wir müssen die Leute jetzt davon überzeugen, dass der Zustand gefährlich ist, auch wenn man das noch nicht sieht.“

Marc Van Ranst, Virologe (KUL)

Laut Van Ranst droht bei einer vorherrschenden britischen Variante ein R-Wert von 1,65: „Das bedeutet, dass 10 infizierte Personen 16 weitere anstecken können.“ Die Corona-Kurve wanke seit etwa 9 Wochen, steige aber noch nicht stark. Noch würde sich das Problem unter der Wasseroberfläche abspielen, doch „wir müssen die Leute jetzt davon überzeugen, dass der Zustand gefährlich ist, auch wenn man das noch nicht sieht.“

Vorhandene Testkapazitäten ausschöpfen"

Mikrobiologe Herman Goossens (UAntwerpen), der auch Leiter der belgischen Arbeitsgruppe für die Corona-Tests ist, zeigt sich gegenüber der VRT-Sendung „Terzake“ („Zur Sache“) nicht ganz so besorgt, wie Virolge Van Ranst. Doch auch er macht sich Sorgen über den möglichen hohen R-Wert durch die britische Mutation: „Das bedeutet, dass die Epidemie wieder wächst und das ist doch beunruhigend. Gleichzeitig sind die Spielregeln nicht geändert worden. Grund genug, die heutigen Maßnahmen gut einzuhalten. Wir müssen schauen, ob es uns mit einer klugen Testpolitik nicht gelingen kann, die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Wir verfügen in Belgien über eine enorme Testkapazität, auf die wir uns berufen müssen.“ 

Wir müssen schauen, ob es uns mit einer klugen Testpolitik nicht gelingen kann, die Pandemie unter Kontrolle zu halten. Wir verfügen in Belgien über eine enorme Testkapazität, auf die wir uns berufen müssen.“

Herman Goossens, Mikrobiologe (UAntwerpen)

Der Virologe Steven Van Gucht, Leiter des staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamtes Sciensano, nimmt die Ergebnisse der Studie vorerst noch mit einer gewissen Zurückhaltung zur Kenntnis, denn ihm reicht die auszuwertende Datenlage noch nicht aus, um definitive Schlüsse zu ziehen. Doch auch er ist eher geneigt, die Entwicklung als eine Art mögliches orst Case Scenario zu betrachten, falls sie tatsächlich zutrifft.

"Wir sind schon sehr streng, fast alles ist schon zu"

Flanderns Ministerpräsidenten Jan Jambon (N-VA) sieht derzeit keinen wirklichen Grund, um auf Basis der vorliegenden Zahlen in Panik zu verfallen: „Wir sind schon sehr streng, fast alles ist schon zu. Man muss auch den Rückhalt bei der Bevölkerung behalten.“ Jambon sieht zwar, dass die Corona-Statistik in Belgien wieder leicht ansteigende Werte zeigt, doch „ich setzte auf die Option der Handhabe der heutigen Maßnahmen. (…) Wir wollen die Unternehmen und die Schulen offen lassen und dafür sorgen, dass das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht.“

„Viel Raum für zusätzliche Maßnahmen haben wir nicht mehr“, so der flämische Landeschef: „Abendliche Ausgangssperre, Homeoffice und wir haben die Urlaubsreisen ins Ausland stillgelegt. (…) Wir müssen auch die geistige Gesundheit der Leute im Auge behalten und wir dürfen die Wirtschaft nicht in sich zusammenbrechen lassen.“ Für ihn ist wichtig, so viel wie möglich zu testen und positiv getestete Personen in die Isolierung zu schicken.

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