ddp images

Der Fall AstraZeneca sorgt für Probleme im belgischen Corona-Impfplan

Der Wirbel um den an der Universität von Oxford entwickelten Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns AstraZeneca hält auch in Belgien weiter an. Zum einen werden die Impfstoffe dieses Herstellers später ausgeliefert, als geplant und abgesprochen und zum anderen bereitet die Tatsache Sorgen, dass dieser Impfstoff für Personen, die älter als 65 Jahre alt sind, nicht empfohlen wird. Doch gerade diese Personengruppe soll im belgischen Impfplan mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpft werden. Am Freitag gab die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) grünes Licht für die Nutzung des Vakzins von AstraZeneca - auch bei Über-65-Jährigen... 

Die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) teilte am Donnerstag mit, dass der Impfstoff bei Über-65-Jährigen nicht eingesetzt werden soll. Diesen Entschluss der deutschen Behörden hält der belgische Virologe Marc Van Ranst von der Uni Löwen (KU Leuven) für logisch und richtig. Das Problem dabei ist nur, dass die belgischen Gesundheitsbehörden und die hiesige Impf-Taskforce gerade dieses Vakzin für eben diese Altersgruppe in ihren Planungen vorgesehen haben.  

Laut STIKO soll das Vakzin nicht bei Über-65-Jährigen zum Einsatz kommen, da AstraZeneca zu wenig entsprechende Untersuchungsresultate dazu vorlegen kann. Es könne sein, dass der Impfstoff auch bei älteren Personen wirksam sei, doch sicher sei das nicht, so das deutsche Gutachten. Blieb zu erwarten, wie die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) darüber urteilen wird. Diese aber gab dem Impfstoff am Freitagnachmittag die Zustimmung, in der EU genutzt zu werden und gab damit die Marktzulassung. Überraschenderweise gab die EMA auch grünes Licht für die Impfung von Über-65-Jährigen... 

AstraZeneca-Vakzin im belgischen Impfplan

Der Impfstoff von AstraZeneca ist das dritte Vakzin, das in Belgien angewendet werden soll. Derzeit werden bereits Impfungen mit den Impfstoffen von dem deutsch-amerikanischen Konzern Pfizer/BioNTech durchgeführt und die ersten Dosen des US-Herstellers Moderna sind ebenfalls bereits geliefert worden.

Der belgische Impfplan sieht vor, dass ab März die Über-65-Jährigen und die chronisch Kranken gegen Covid-19 geimpft werden sollen. Laut Plan soll hier der Impfstoff von AstraZeneca angewendet werden. Professor Jan De Maeseneer von der belgischen Impf-Taskforce sagte dazu gegenüber VRT NWS: „Wenn wir dieses Vakzin nicht für ältere Personen nutzen können, dann müssen wir unsere Strategie neu bewerten. Dann werden wir diesen Impfstoff bei Jüngeren anwenden und andere Vakzine für die älteren Personen.“ Die Frage ist natürlich, ob und wann die nötigen Impfdosen geliefert werden und vorliegen…

Pfizer-BioNTech und Moderna werden etwas später ausliefern und auch bei AstraZeneca liegen Probleme mit den geplanten Lieferungen vor, die allerdings etwas extremer sind, als bei den anderen Herstellern. 

Der Konflikt um AstraZeneca

Hier tobt gerade ein „Krieg“ zwischen dem Pharmakonzern und der EU-Kommission. Offenbar liefert das Unternehmen massiv Impfstoffe nach Großbritannien und hält aus diesem Grunde die Vakzine für die Union zurück (in Großbritannien wird bereits massiv mit diesem Impfstoff gearbeitet).

Am Donnerstag rückten Kontrolleure der belgischen Gesundheitsbehörden in einem Werk des französischen AstraZeneca-Partnerunternehmens Novasep in Seneffe in der Provinz Hennegau an, in dem der Corona-Impfstoff von AstraZeneca produziert wird. Sie sollten prüfen, ob die Angaben des Unternehmens zu den Lieferengpässen stimmen oder ob es tatsächlich von hier aus Lieferungen auf die britischen Inseln gibt.

Charles Michel, Ex-Premier von Belgien und heutiger EU-Ratsvorsitzender, verlangt ebenso wie die EU-Kommission, Klarheit von AstraZeneca zu den Lieferzusagen. Doch Michel geht noch weiter. Er droht mit der Anwendung von Artikel 122 im EU-Vertrag, nach dem die Union eingreifen darf, wenn es zu Versorgungsengpässen mit bestimmten Produkten, wie z.B. lebensrettende Medikamenten kommt. Das würde bedeuten, dass die belgischen Behörden in Seneffe Corona-Impfstoff-Ladungen auf dem Weg nach Großbritannien aufhalten und sogar beschlagnahmen könnten… 

Unterschiedliche Impfstoffe

Zwischen den verschiedenen Impfstoffen liegen Unterschiede vor. Im Gegensatz zum Vakzin von Pfizer/BioNTech und Moderna ist der Stoff von AstraZeneca kein mRNA-Vakzin, sondern ein sogenannter „Vector“-Impfstoff, bei dem ein Virus angewendet wird, der keine Krankheit auslöst. Das sind ungefährliche Viren, die auch die Menschen selbst entwickeln, um sich zu verteidigen.

Und die Handhabe dieses Vakzins ist einfacher, denn es kann in einfachen Kühlschränken aufbewahrt werden und muss nicht eisgekühlt sein. Zudem, auch das ist ein wichtiger Faktor, ist AstraZeneca günstiger… Belgien soll über die EU-Kommission 7,5 Millionen Impfdosen dieses Herstellers bekommen. 

Diese Impfstoffe und Impfdosen hat Belgien (teilweise über die EU) bestellt:

AstraZeneca: 7,74 Millionen (2 Dosen erforderlich)

Johnson&Johnson: 5,16 Millionen (1 Dosis)

Pfizer/BioNTech: 5 Millionen (2 Dosen)

Curevac: 2,9 Millionen (2 Dosen)

Moderna: 2 Millionen (2 Dosen)

Insgesamt sind das 22,8 Millionen Dosen. Damit könnten fast 14 Millionen Menschen geimpft werden.

Meist gelesen auf VRT Nachrichten