Belgische Armee nimmt neuen Aufklärungssatelliten "made in Belgium" in Betrieb: alles und jeden haarscharf sehen

Seit Kurzem betreibt Belgien, zusammen mit Deutschland und Frankreich, einen Aufklärungssatelliten, der jeden Fleck auf der Erde haarscharf im Blick hat. Die Bestandteile des Satellitensystems wurden zum großen Teil in Belgien gebaut. Der Verteidigungsexperte der VRT-Redaktion, Jens Franssen, bekam einen ersten und exklusiven Einblick in das neue System des Militärischen Informations- und Sicherheitsdienstes (ADIV).

Gemeinsam mit Frankreich und Deutschland hat Belgien den zweiten von drei Aufklärungssatelliten in Betrieb genommen. Ein dritter Satellit soll später gestartet werden. Die Satelliten nehmen alle 90 Minuten Kontakt mit einer Bodenstation an der schwedischen Polarstation in Kiruna auf. 

Sehen Sie hier eine Animation des Satelliten CDO-2 in Aktion (und lesen Sie unter dem Video weiter): 

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Mit diesem Satelliten verfügen Belgien, Frankreich und Deutschland über die schärfsten Bilder, die derzeit in Europa verfügbar sind, hat VRT-Reporter Jens Franssen von einem Major des militärischen Informations- und Sicherheitsdienstes erfahren. Über die Auflösung der Bilder will und kann der Major nichts sagen: Militärgeheimnis. Aber ein französischer General erklärte vor einigen Wochen, der neue Spionagesatellit liefere so scharfe Bilder, "dass man die Waffen der Kämpfer im Feld erkennen kann".  

© CNES/Mira Productions/PAROT Remy, 2018

Angaben zur Auflösung der Bilder sind streng geheim

Ein zweiter Vorteil ist, dass der Satellit schneller und mehr Bilder liefern kann. Der CSO-2 kann u. a. mehrere Sensoren (Farbe/Infrarot/panchromatisch) gleichzeitig kombinieren, um einzigartige stereoskopische (3D) Fotos aufzunehmen. 

Angaben zur Auflösung und Bildverarbeitung sind streng geheim. Aber belgische Soldaten, die in der Sahelzone, in Mali oder über dem Irak im Einsatz sind, können sich auf die gestochen scharfen Farbbilder verlassen. Außerdem verfügt das Verteidigungsministerium über hochspezialisierte Bildanalysten, die die Bilder erklären und mit zusätzlichen Daten anreichern können.  

© CNES/Mira Productions/PAROT Remy, 2018

Abnehmer sind auch das Außenministerium, die Feuerwehr, Polizei ...

Nicht nur das belgische Militär nutzt den neuen Aufklärungssatelliten. Seine extrem präzisen Standortdaten können auch der belgischen Schifffahrt dienen oder von der Polizei bei Kundgebungen angefordert werden.  

Bei Großereignissen oder Katastrophen im Ausland kann das Außenministerium sofort Karten anfordern oder im Vorfeld erstellen lassen, um belgischen Bürgern schneller helfen zu können. Vor großen internationalen Sportereignissen mit belgischer Teilnahme werden im Auftrag des Außenministeriums beispielsweise Evakuierungsrouten zu den Krankenhäusern geplant.  

Auch Demonstrationen in Ländern, die für Belgien wichtig sind, können mit dem CSO-2-Aufklärungssystem jetzt detailliert überwacht werden. “Es gibt uns die Möglichkeit, Dinge unabhängig zu prüfen”, heißt es bei den Verantwortlichen. 

“Made in Belgium”

© CNES/Mira Productions/PAROT Remy, 2018

In den letzten Jahren hat Belgien sich einen guten Ruf bei der Entwicklung und beim Bau von Satelliten erarbeitet. Die Expertise teilen sich eine Reihe von High-Tech-KMU, die Komponenten oder Software für alle Arten von Satelliten herstellen.  

Das Verteidigungsministerium und das Bundesforschungsministerium tragen jeweils die Hälfte der Kosten. Das Geld wird in die Arbeit der belgischen Unternehmen investiert. 

Der Aufklärungssatellit CSO-2 wiegt etwa 3,5 Tonnen. Die eigentliche Struktur des Satelliten, ein Teil seiner Software, der Wärmetauscher und Teile der Energieversorgung werden in Belgien hergestellt. Das System wird voraussichtlich mindestens zehn Jahre lang in Betrieb sein. 

© CNES/Mira Productions/PAROT Remy, 2018

Französisch-deutsch-belgische Zusammenarbeit

Frankreich hat am 29. Dezember erfolgreich seinen zweiten militärischen Beobachtungssatelliten CSO-2 vom Centre Spatial Guyanais in Französisch-Guayana gestartet. CSO steht für Composante Spatiale Optique. Der zweite Satellit wurde erst vor wenigen Tagen gestartet.  

Belgien hat 2017 ein Kooperationsabkommen mit Frankreich unterzeichnet und beteiligt sich an diesem Programm mit einer Investition von rund 100 Millionen Euro (10 Prozent). Auch Deutschland und, in geringerem Maße Schweden, sind an dem Projekt beteiligt.  

Das neue System wird gleichzeitig das alte HELIOS-Programm ersetzen, an dem Belgien beteiligt ist.  

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