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Interessanter Vorschlag: Sollen Jugendliche Vorrang bei der Corona-Impfung bekommen?

In einem offenen Brief haben rund 40 prominente und weniger prominente Personen dazu aufgerufen, Jugendlichen zwischen 18 und 24 Jahren Vorrang bei den Corona-Impfungen einzuräumen. Die Initiatoren dieses Vorschlags sind der Ansicht, dass sie nach den Bewohnern von Alten- und Pflegheimen und dem Pflege- und Gesundheitspersonal an der Reihe sein sollten, denn gerade diese Altersklasse habe es in dieser Zeit und in ihrer Entwicklung besonders schwer. 

Die Initiatorin dieses offenen Briefes ist Heidi De Pauw, die Leiterin der Kinder- und Jugendsuch- und -hilfswerks Child Focus. Sie und rund 40 weitere Personen - Kulturschaffende, Eltern, Juristen, darunter der Kinderpsychiater Peter Adriaenssens, sind der Ansicht, dass die Jugendlichen zwischen 18 und 24 in allen Planungen in Sachen Corona-Maßnahmen und Impfstrategien vergessen werden.

Gerade sie müssen viele Opfer bringen, sowohl in der Schule und im Studium, als auch zu Hause und in ihrer Freizeit. Soziale Kontakte seien gerade für die Entwicklung von jungen Menschen in dieser Altersklasse sehr wichtig, seien aber mehr oder weniger untersagt. Aus diesem Grunde sollten sie direkt nach den Senioren und nach dem Gesundheitspersonal gegen Covid-19 geimpft werden, damit die wieder mehr Freiheiten genießen können.

Priorität einräumen?

Initiatorin De Pauw sagte dazu am Montag gegenüber VRT NWS: „Es ist so, dass diese Jugendlichen gerade an einer Schwelle stehen, an der sie vieles entdecken. 18 Jahre alt sein, ist einmalig. Man geht zur Uni, verlässt das Elternhaus und so weiter. Wir finden, dass sie das Recht auf ihren Platz in der Gesellschaft und den damit zusammenhängenden Stellenwert haben. Ihnen sollte also bei den nächste Lockerungen oder bei den nächsten Impfungen Priorität eingeräumt werden.“

Keine schlechte Idee?

In Expertenkreisen wird über dieses Thema bereits diskutiert. Virologe Marc Van Ranst z.B. sagte gegenüber VRT NWS, dass er dies für keine schlechte Idee halte: „Sie machen eine schwierige Zeit mit. Wir müssen zugeben, dass wir im ersten und im zweiten Lockdown wenig für sie tun konnten. Da hätte es mehr Aufmerksamkeit geben können.“

Van Ranst ist der Ansicht, dass das mehr möglich sein kann, je mehr geimpft werden kann: „Am Anfang wird das wenig spürbar sein, doch wir hoffen, dass mehr Lockerungen möglich sind, je nach dem, wie die Leute geimpft  werden können. Das kann auch früh bei den Jugendlichen beginnen. An Hochschulen und Universitäten kann mehr und schneller gelockert werden.“

Schwierige Prüfung?

Doch könne man derzeit noch nicht voraussagen, wann was für wen möglich sein kann und es werde am Anfang kein leichtes Unterfangen darstellen: „Einige werden auf Probleme stoßen, die andere nicht haben. Das wird eine schwierige Prüfung, denn dass soll zeitlich in so wenig Zeit, wie möglich, passieren. Aber, lasst und da etwas Perspektive bieten. Das ist eine wichtige politische und gesellschaftliche Wahl.“

Das setzt allerdings voraus, dass über das Thema „Lockerungen für Geimpfte“ debattiert werden muss, wenn darüber überhaupt debattiert wird. Die Frage ist, wie der Rest der Gesellschaft in Belgien damit umgeht, dass es bei einigen Alters- und Bevölkerungsgruppen Bevorzugungen geben kann oder wird, von denen andere Kreise nicht profitieren können, z.B. Berufsgruppen oder ganz einfach andere Bürger?  

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