Die belgische Bahn schließt bis Ende des Jahres 44 Schalter in Bahnhöfen

Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB kündigt an, bis zum Jahresende 44 Schalter in Bahnhöfen zu schließen und bei weiteren 37 Stationen die Öffnungszeiten an die Stoßzeiten anzupassen. Grund für diese Maßnahme ist, dass immer mehr Bahnkunden ihre Fahrscheine online oder am Fahrkartenautomaten kaufen. Bundesverkehrsminister Georges Gilkinet (Ecolo) will, dass die Bahn diese Maßnahme zumindest teilweise überdenkt. 

An vielen Bahnhöfen im Land sei die Zahl der Reisenden, die ihren Fahrschein noch am Schalter lösen, derart gesunken, dass ein Beibehalten von bestimmten Schaltern nicht mehr erforderlich sei, hieß es dazu. Im Zuge der Coronakrise habe sich diese Entwicklung noch verstärkt, so die Bahn. Letztes Jahr sollen bereits 75 % aller Bahnfahrkarten online oder am Automaten erworben wurden sein, so die Statistik.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die betroffenen Bahnhöfe ganz geschlossen würden. Die NMBS/SNCB kündigte an, z.B. Sicherheitspersonal vor Ort einzusetzen und Mitarbeiter, die Personen mit eingeschränkter Mobilität beim Ein- und Aussteigen sowie beim Fahrscheinlösen zur Seite stehen würden.

Eisenbahnergewerkschaften und Fahrgastverbände kritisieren diese Maßnahme entschieden

Dass dem z.B. bis zu 77 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollen, wollen die Gewerkschaften nicht akzeptieren. Betroffen von den Schließungen sind 22 Bahnhöfe in der Wallonie, 19 in Flandern und 3 in Brüssel. Darunter sind auch Stationen von recht großen Kreisstädten. Doch bei der Bahn heißt es dazu: „Es geht hier vor allem um kleinere Bahnhöfe, die für lediglich 5 % des Ticketverkaufs stehen. Dort werden pro Tag zwischen 60 und 90 % der Öffnungszeiten überhaupt keine Fahrkarten verkauft.“

Die Fahrgastverbände werfen der Bahn vor, mit Tricks zu arbeiten. Durch die Tatsache, dass sie Bahnkunden ohnehin kaum noch Schalterpersonal in den Bahnhöfen antreffen würden, bliebe ihnen kaum etwas anderes übrig, als zum Automaten zu gehen oder Fahrkarten im Internet zu erwerben.

"Nie eine gute Nachricht"

Ein weiterer Kritikpunkt der Fahrgastverbände ist, dass den Reisenden kaum noch fachgerechte Beratung zuteilwerde. In diesem Zusammenhang würde die Dienstleistung auf ein Minimum reduziert, was nicht besonders kundenfreundlich sei. Das betrifft auch die Tatsache, dass bei vielen weiteren Bahnhöfen die Öffnungszeiten angepasst bzw. gekürzt würden.

Belgiens Verkehrsminister Georges Gilkinet (Ecolo) gab dazu an, dass die Bahn damit auf die veränderte Nachfrage bei den Reisenden reagiere: „Die Schließung von Schaltern ist nie eine gute Nachricht. Die Bahn traf diesen Entschluss, ihre Dienstleistung an die veränderte Nachfrage der Fahrgäste anzupassen und wird ihre Mittel für ein besseres Zugangebot einsetzen, denn wir wollen mehr angenehmere und pünktlichere Züge.“ Das sei auch sein Ziel, so der Grüne Verkehrsminister.

Nur noch 16 % mit Personal besetzte Bahnhöfe in Belgien

Ende 2021 werden nur noch rund 16 % der 550 Bahnhöfe in Belgien mit Schalterpersonal besetzt sein. Das sieht nach wenig aus, doch hier steht unser Land im Vergleich zu einigen Nachbarländern noch recht gut da. In Deutschland sind derzeit noch 6 % aller Bahnhöfe besetzt und in den Niederlanden sogar nur noch 4 %. 

Folgende 44 belgische Bahnhöfe sind betroffen: Ans, Bertrix, Beveren-Waas, Binche, Châtelet, De Pinte, Diksmuide, Gouvy, Harelbeke, Heide, Heist, Jambes, Jette, Jurbeke, Kontich-Lint, Lede, Lesse, Leuze, Liedekerke, Luttre, Marbehan, Marchienne-au-Pont, Mariembourg, Mechelen-Nekkerspoel, Menen, Ninove, Opwijk, Peruwelz, Poperinge, Rixensart, Rochefort-Jemelle, Ronse, Saint-Ghislain, Silly, Sint-Genesius-Rode, Terhulpen, Ternat, Tielt, Torhout, Veurne, Virton, Waterloo, Waver und Zaventem.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Der Bahnhof von Heide im Norden der Provinz Antwerpen ist eine der 44 belgischen Stationen, die bis Ende 2021 ihren Fahrkartenschalter verlieren wird.
John Scholte / Onroerend Erfgoed

Verkehrsminister Gilkinet knüpft Schalterschließungen an Bedingungen

Verkehrsminister Gilkinet (Ecolo - Foto unten) regt übrigens an, dass die NMBS/SNCB ihre geplanten Schalterschließungen überdenkt. Er fordert zwar nicht, dass alle vor Schließung stehenden Schalter geöffnet bleiben müssen, doch er will, dass die Bahn mit der Entfernung des nächsten besetzten Bahnhofs Rechnung trägt, um bestimmte Dienstleistungen weiter für alle Reisenden und Bahnkunden anbieten zu können.

Und er empfiehlt darüber nachzudenken, was mit den leeren Schalterräumen in den Bahnhöfen in Zukunft passieren soll. Gilkinet rät dazu, hier Geschäfte, Zeitungs- und Lottoläden, eventuell ein Café und Post- und Paketannahmestellen einzurichten, damit die Bahnhofsgebäude belebt bleiben und nicht langsam aber sicher vergammeln und damit ein gewisses Sicherheitsgefühl für die Reisenden gewährleistet bleiben kann. Der frankophone Grünen-Politiker hat seine Anregungen in einem Schreiben an den Verwaltungsrat und an die Direktion der NMBS/SNCB verdeutlicht. 

Belgiens grüner Verkehrsminister Georges Gilkinet

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