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Gent wird Patenstadt des neuen Forschungsschiffs "RV Belgica II"

Die ostflämische Metropole Gent übernimmt die Patenschaft über das neue belgische Forschungsschiff „RV Belgica II“ (Foto). Dies teilten Gents Bürgermeister Mathias De Clercq (Open VLD) und Belgiens Staatssekretär für Wissenschaftspolitik, Thomas Dermine (PS) mit. Das Forschungsschiff ist vor einigen Monaten bereits in der spanischen Hafenstadt Vigo vom Stapel gelaufen (Fotos im Beitrag) und derzeit werden dort noch erste Testfahrten durchgeführt.

Im September wird die „Belgica II“ in Belgien erwartet. Dann wird sie ihre Jungfernfahrt zwischen Zeebrügge und Gent-Seehafen absolvieren. An Bord wird dann Kronprinzessin Elisabeth sein, die das Schiff taufen wird. Sie wird übrigens Patin dieses Forschungsschiffs. Der Schiffsname "Belgica" geht übrigens auf das Segelschiff des belgischen Polforschers und Wissenschaftlers Adrien de Gerlache (1866-1934) zurück.

Die „RV Belgica II“ wird die „Belgica“ ersetzen, die seit 35 Jahren für Belgien im Dienste von Forschung und Wissenschaft im Einsatz ist. Das Kürzel „RV“ steht übrigens für „Research Vessel“, was wiederum schlicht und einfach „Forschungsschiff“ bedeutet. Das bisherige belgische Forschungsschiff „A926 Belgica“ wurde 1984 gebaut und in Betrieb genommen und legte bei über 1.000 wissenschaftlichen Expeditionen über 900.000 km zurück. Im Oktober 2016 hatte die damalige belgische Bundesregierung beschlossen, ein neues Schiff in Auftrag zu geben.

Die neue „RV Belgica II“ ist größer und bietet den an Bord befindlichen Wissenschaftlern deutlich mehr Raum für ihre Arbeit. So wurde die Fläche der Laborräume glatt verdoppelt. Insgesamt können 28 Wissenschaftler gleichzeitig an Bord des neuen Forschungsschiffs auf hoher See arbeiten. Der Besatzung werden 15 Seeleute angehören.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Jorn Urbain - The Belgian Navy

Die Besatzung wird von der belgischen Marine gestellt, die auch für den operativen Einsatz und die logistische Versorgung verantwortlich ist. Die wissenschaftliche Arbeit der Belgica wird vom „Management Unit des Mathematischen Modells der Nordsee und der Scheldemündung“ (MUMM) geleitet. Hauptaufgabe der „Belgica“ und danach auch der „Belgica II“ ist die Erforschung von Fauna und Flora in der Nordsee. Dabei kooperiert das Schiff mit belgischen Universitäten und wissenschaftlichen Instituten.

Einer der häufigsten Nutzer der belgischen Forschungsschiffe ist das flämische Landesministerium für Landwirtschaft und Fischerei, für die das Schiff den Bestand von Fischsorten für die Fangquoten für die kommerzielle Fischei kontrolliert, ebenso wie den Eingriff des Menschen in die maritime Umwelt. Bei einer möglichen Ölpest muss das Forschungsschiff das auslaufende Öl untersuchen und lokalisieren, um den Verursacher finden zu können.  Sie wird Anlagen an Bord haben, die es erlauben, Wasser oder Bodenproben in 5.000 Meter Tiefe zu nehmen.

Zudem hat sie verstärkte Bordwände, was auch ihr eine Art leichten Eisbrecher macht, der im Sommer sogar am Nordpol eingesetzt werden könnte. Ihre Aufträge werden auch internationaler werden, denn das Schiff gehört zum europäischen „Eurofleets“-Netzwerk und ist Teil der „European Marine Board“. Gebaut wurde sie von der spanischen Werft „Freire Shipyard“.

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Jorn Urbain - The Belgian Navy

Die „RV Belgica II“ ist Eigentum des belgischen Staates über die Föderale Wissenschaftsbehörde (BELSPO). Verwaltet und betreut wird sie in Zukunft vom Belgischen Institut für Naturwissenschaften (KBIN) in Kooperation mit dem Verteidigungsministerium und einem privaten Mitspieler.

„Die Stadt Gent wird die Patenschaft nutzen, um Kinder und Jugendliche in den Schulen Forschung und Wissenschaft näher zu bringen und damit soll Gent seine Trümpfe als Wissenschafts- und Hafenstadt weiter maximal ausspielen. Das Schiff wird von Motoren angetrieben, die in Gent gebaut wurden (von der Anglo Belgian Corporation - ABC (Red.)). Die Genter werden diese Patenschaft mit Stolz tragen“, so Bürgermeister De Clercq. Auch Wissenschafts-Staatsekretär Dermine sagt dem neuen Forschungsschiff eine tolle Zukunft voraus: „Mit diesem Schiff tragen wir dazu bei, dass Belgien und Europa zur Weltspitze auf dem Gebiet der maritimen Forschung werden. Ich bin sehr froh über den Enthusiasmus von Gent, mit dem die Patenschaft dieses außergewöhnlichen Schiffs übernommen wird.“ 

Die "alte" Belgica
Hans Hillewaert (Lycaon)/Wikimedia Commons/CC BY-SA 2.5
Die "ganz alte" Belgica von Adrien de Gerlache
Public domain

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