Bahncefin Dutordoir und Verkehrsminister Gilkinet - Vertrauensbruch?

Geplante Schalterschließungen: Vertrauensbuch zwischen Bahnchefin und Verkehrsminister?

Die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB hatte unlängst angekündigt, bis zum Jahresende 44 Schalter in Bahnhöfen schließen zu wollen. Dabei handelt es sich um Schalter, die nur noch selten konsultiert werden, da die meisten Fahrscheine online oder am Automaten gelöst werden. Dieses Vorhaben löste Proteste aus, sowohl bei den Fahrgastverbänden, als auch bei der Politik. So forderte Belgiens Verkehrsminister Georges Gilkinet (Ecolo), dieses Vorhaben zu überdenken. Damit aber stieß er auf Unverständnis bei Bahnchefin Sophie Dutordoir…

Dutordoir sagte dazu, dass sie sich hintergangen fühle, denn der Minister habe von den Plänen, die 44 Schalter zu schließen und an weiteren Bahnhöfen die Öffnungszeiten der Schalter anzupassen, schon lange gewusst. Dass ihr der Minister jetzt in den Rücken falle, so die Bahnchefin, werte sie als einen schweren Vertrauensbruch.

Verkehrsminister Gilkinet von den frankophonen Grünen Ecolo hatte nach Bekanntwerden der Schließungspläne ein Schreiben an den Verwaltungsrat der NMBS/SNCB gerichtet, in dem er fordert, die Pläne zu überdenken und die Schließungen zumindest zu verschieben. 

Zu seiner Verteidigung nach dem Vorwurf des Vertrauensbuchs von Bahn-CEO Dutordoir gab er an, tatsächlich von dem Vorhaben gewusst zu haben, doch er sei von Anfang an dagegen gewesen.

Es handelt sich hier im einen Beschluss, über den im Rahmen einer guten Geschäftspolitik gut nachgedacht worden ist.“

Bahnchefin Sophie Dutordoir

Jetzt reagierte die  Bahnchefin ebenfalls mit einem Schreiben, mit einem offenen Brief, und gab an, das Vorhaben sei mit dem Minister ausführlich besprochen worden und habe nicht zuletzt auch die Zustimmung von dessen ministeriellem Kabinett erhalten: „Dies ist ein öffentliches Zurückpfeifen, das bei mit einen schweren Vertrauensbruch bewerkstelligt hat. (…) Es handelt sich hier um einen Beschluss, über den im Rahmen einer guten Geschäftspolitik gut nachgedacht worden ist.“

Wenn es einen Vertrauensbruch gibt, dann liegt der vielleicht zwischen der Bahn und den Reisenden.“

Verkehrsminister Georges Gilkinet

Gegenüber VRT NWS sagte der Verkehrsminister am Donnerstag, er sei mit dem Vorhaben nicht einverstanden gewesen, wolle aber keine Polemik zwischen ihm und der Bahnchefin führen. Aber, er bleibe dabei, dass das Vorhaben keine gute Idee sei: „Wenn es einen Vertrauensbruch gibt, dann liegt der vielleicht zwischen der Bahn und den Reisenden.“

Er habe eigentlich ein gutes Verhältnis zu Sophie Dutordoir: „Sie ist jemand mit einem starken Charakter. Manchmal ist es sehr angenehm, mit ihr zu arbeiten, manchmal aber ist es sehr schwierig.“ Das Schreiben der Bahnchefin freue ihn nicht gerade besonders, doch er wolle mit ihr nach einer Lösung suchen. Der Verwaltungsrat der belgischen Bahn wird sich in der kommenden Woche noch einmal über die Frage der umstrittenen Schalterschließungen beugen, hieß es weiter dazu. 

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