Das Zivilgericht in Kortrijk schaltet als erstes Gericht in Belgien auf digitale Dossiers um

Das Zivilgericht von Kortrijk in Westflandern ist das erste Gericht in ganz Belgien, das auf Akten auf Papier verzichten wird. Dieses Gericht ist vollständig digitalisiert worden. Die Digitalisierung des Justizwesens in Belgien steht eigentlich noch in den Kinderschuhen und Kortrijk soll als Pilotprojekt eine Vorbildfunktion für das ganze Land haben.

Bundesjustizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD - Foto oben) ist der Ansicht, dass man den praktischen Unterschied vor allem ab dem Moment spüren wird, wenn mehrere Gerichte und Gerichtsbezirke auf die Digitalisierung umgeschaltet haben: „Sobald man ein Dossier digital einreicht, folgt auch ein digitales Urteil. Die Urteile und Arreste können mit anderen Worten auch digital konsultiert werden. Hier und da werden auch Videositzungen stattfinden. Dann müssen die Leute nicht immer vor Gericht zu erscheinen.“

Der Justizminister ist der Ansicht, dass die vollständige Digitalisierung des belgischen Justizwesens absolut eine dringende Notwendigkeit ist.

Inzwischen sei es schon so, dass Richter und Staatsanwälte, die von der Arbeit abends nach Hause kommen, ihre Kinder mit digitalen Geräten spielen, die ihm selbst beruflich nicht zur Verfügung stehen: „Wenn wir die Justiz schneller und menschlicher gestalten wollen, dann müssen wir dringend auf das Boot der Digitalisierung aufspringen. Heute arbeitet die Justiz viel zu langsam und das kann auch zu Straflosigkeit führen.“

Eigentlich, so der Minister, habe die Corona-Krise für ein definitives Umdenken gesorgt: „Es hat schon viele Ansätze gegeben, die Justiz zu digitalisieren, doch durch die Corona-Krise ist es echt zu einer Mentalitätsveränderung gekommen. Daneben bekommen wir von Europa 100 Mio. Euro, um die nötigen Schritte zu tun. Wir haben innerhalb der Justiz auch einige Talente, um diese Umschaltung zu vollziehen. Ich glaube wirklich an dieses Projekt.“ 

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