Michaël Torfs

Die Grundwasserpegel in Flandern haben sich erholt, doch "das reicht noch nicht"

Der starke und anhaltende Regen oder auch die letzte Schneeschmälze haben die Grundwasserpegel im belgischen Bundesland Flandern deutlich ansteigen lassen. Und doch ist an jedem dritten Messpunkt noch immer zu erkennen, dass sich die Pegel noch nicht überall nach den vergangenen langen und trockenen Sommern erholt haben.

Vor knapp einem Monat standen die Grundwasserpegel in Flandern noch zu 85 % auf einen niedrigen bis sehr niedrigen Stand. Dies ist heute „nur“ noch an rund 35 % der Messstationen der Fall. Das sei schon eine deutliche Verbesserung, doch, so Flanderns Umweltministerin Zuhal Demir (N-VA): „Das reicht noch nicht. Vor allem im Osten Flanderns, in Limburg, ist noch ein Mangel.“

Das liegt wohl auch am dortigen Relief. Vielleicht hat hier aber das Hochwasser in den Auen der Maas nach der ersten Schneeschmälze vor einigen Tagen etwas Abhilfe schaffen können.

Aber im Allgemeinen sind noch nicht alle Probleme, die durch die vier vergangenen trockenen Sommer entstanden sind, gelöst, so die Ministerin: „Das Wasser hat natürlich Zeit nötig, um durch den Boden zu sickern. Die vergangenen vier Sommer kann man nicht einfach mit ein paar Wochen Regen wettmachen. Darum bleibt es nötig, Maßnahmen zu ergreifen.“ 

Wir müssen dem Regenwasser mehr Raum geben. Das machen wir auch, in dem wir Feuchtgebiete schaffen.“

Landesumweltministerin Zuhal Demir

Das ist u.a. ein Baustopp in bestimmten Gegenden in Flandern, damit dort ausreichend unbebaute Fläche bleibt, damit Regenwasser in den Boden gelangen kann: „Wir müssen dem Regenwasser mehr Raum geben. Das machen wir auch, in dem wir Feuchtgebiete schaffen, wie Moor- und Vennlandschaften oder in dem wir rückbauen. In den vergangenen 50 Jahren sind drei Viertel dieser Feuchtgebiete (durch Bautätigkeiten (Red.)) vernichtet worden.“

Demir appelliert aber auch an die Verantwortung der Menschen im Land und an die verschiedenen Behörden, die mit Wasser zu tun haben, denn es gilt auch, unnötiges Verschwenden dieses kostbaren Gutes zu vermeiden: „Die Trinkwasserbetriebe haben eine Verantwortung. Es geht noch zu viel Wasser durch Lecks in den Leitungen verloren. Ich habe einen Audit bestellt, der nachgehen soll, wo die Probleme liegen und welche Leitungen angepackt werden müssen.“

Viele Zeitgenossen seien inzwischen in dieser Frage sensibilisiert, vor allem im privaten Bereich, doch nach wie vor werde zu viel Grundwasser an Baustellen abgepumpt und ins Abwassersystem ablaufen gelassen und auch die Landwirte würden zu oft Grundwasser abpumpen, um ihre Felder zu bewässern, denn sie haben zu wenig Auffangbecken angelegt.

Überhaupt müssten in Flandern mehr Auffangbecken, Auenlandschaften, Regenwasserbecken und andere Anlagen errichtet werden, um zu vermeiden, dass zu viel Regenwasser ungenutzt abfließt oder über Abwassersysteme in die Flüsse oder in die Nordsee geleitet wird. 

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