BASF in Antwerpen
fotografie peter Hilz (C)

Doch kein Gaskraftwerk bei BASF im Hafen von Antwerpen

Das deutsche Chemieunternehmen BASF gibt seinen Plan auf, auf dem Werksgelände im Antwerpener Hafen ein Gaskraftwerk zu bauen. Dies melden die belgischen Wirtschaftsblätter De Tijd und L'Echo in ihren Dienstagsausgaben. Inzwischen wurden diese Meldungen VRT NWS gegenüber von BASF und dem Energieproduzenten Engie Electrabel bestätigt. Bei BASF heißt es dazu, dass man sich im Zuge der Corona-Krise dazu entschlossen habe, sich auf sein Kerngeschäft Chemie zu konzentrieren.

Eigentlich war geplant, auf dem BASF-Gelände in Antwerpen ein Gaskraftwerk zu bauen und zu betreiben. Gemeinsam mit dem französisch-belgischen Energie-Multi Engie Electrabel sollte ein Kraftwerk entstehen, dass rund 850 Megawatt Strom produzieren sollte. Das entspricht in etwa der Leistungen der Meiler Doel 1 und 2 im gleichnamigen nahegelegenen Atomkraftwerk.

BASF und Engie wollten rund 400 Mio. € in dieses Projekt investieren und teilweise sollten diese Gelder über staatliche belgische Fördermaßnahmen hereingeholt werden. Mit den sogenannten CRM-Förderungen sollten Energiealternativen im Zuge des belgischen Atomausstiegs 2025 teilfinanziert werden.

Engie Electrabel plant drei weitere neue Gaskraftwerke und zwar an Standorten, wo der Konzern schon jetzt aktiv ist: In Vilvoorde bei Brüssel sowie in Les Awirs und Amercoeur bei Lüttich.

Unsicherer wirtschaftlicher Rahmen?

Doch auch ein Riesenkonzern wie BASF hat wirtschaftliche Einbußen durch die Corona-Krise zu verzeichnen und will sich jetzt eher auf sein Kerngeschäft konzentrieren. BASF-Antwerpen-Sprecherin Fanny Heyndrickx sagte dazu: „In Absprache mit dem Hauptsitz in Ludwigshafen ist beschlossen worden, dem Projekt keine Priorität mehr einzuräumen. Das hat vornehmlich mit dem unsicheren wirtschaftlichen Rahmen zu tun.“ Die Energieproduktion gehöre nun mal nicht zum Kerngeschäft von BASF, so Heyndrickx.

Klimaziele vs. Versorgungssicherheit?

Ein weiteres Argument, dass der deutsche Chemieriese anführt, sind die Zielvorgaben, bis 2030 CO²-neutral sein zu wollen. Die BASF will jeden Schadstoffausstoß, der über die eigentliche Produktion hinausgeht, auf ein Minimum reduzieren. Aber, bei BASF spielt auch die Unsicherheit über die entsprechende Zuschussvergabe mit. Die belgische Bundesregierung will im Oktober ihre Fördermaßnahmen für den Bau von neuen Kraftwerken zur Energieversorgung nach dem Atomausstieg versteigern.

Bundesenergieministerin Tine Van der Straete (Groen) ist der Ansicht, dass sich daran viele Energieproduzenten beteiligen werden: „An dieser Versteigerung geht es um drei- bis viermal so viel Kapazität, als benötigt. Es ist logisch, dass Projekten auf dem Weg dahin abhaken und dass neue hinzukommen oder dass bestehenden Projekte ergänzt werden.“ Ihre flämische Kollegin, Landesumweltministerin Zuhal Demir (N-VA) ist da weniger beruhigt. Sie bittet Van der Straeten um mehr Klarheit bezüglich der Bevorratungssicherheit mit Strom, wenn Doel 1 und 2 2025 vom Netz gehen. 

BASF in Antwerpen
Lucas* - Flickr / Creative Commons by-nc-nd

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