Dutzende Haussuchungen in Flandern und den Niederlanden wegen Verdachts auf Güllebetrug

In einer gerichtlichen Untersuchung wegen Güllebetrugs hat die Polizei am Donnerstagmorgen Dutzende von Hausdurchsuchungen in fast allen flämischen Provinzen sowie in den Niederlanden durchgeführt. Laut der Antwerpener Staatsanwaltschaft sollen mehrere Unternehmen an dem Betrug beteiligt sein. 17 Personen sind verhört worden. 

Die Ermittler haben am Donnerstagmorgen 32 Hausdurchsuchungen zur gleichen Zeit vorgenommen: an 16 Adressen in der Provinz Antwerpen, 2 in Limburg, 5 in Ostflandern und 1 in Westflandern. Auch in den Niederlanden hat die Polizei 8 Hausdurchsuchungen ausgeführt. 

Im Fokus der Ermittlungen stehen zwei große Unternehmen, das eine aus der Landwirtschaft, das andere aus der Düngerverarbeitungsindustrie, und deren Zusammenarbeit. Die Behörden vermuten, dass Gülleproben gefälscht und Gülletransporte nicht korrekt gemeldet worden sind. 

Die Untersuchung der Antwerpener Gerichtsbehörden hat Anfang 2020 begonnen und ist mit einem niederländischen Ermittlerteam zusammen geführt worden. An der Aktion waren 170 Beamte der belgischen Kriminalpolizei und auch Europol beteiligt.

17 Personen wurden zur Befragung festgenommen. Die Polizei beschlagnahmte 13 Anhänger und Fahrzeuge. Das Gericht ermittelt wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, Fälschung, Betrug und Verstoß gegen die Gülleverordnung.  

Was ist Güllebetrug?

Beim Güllebetrug zahlen Landwirte nicht für die gesamte Gülle, die ihr Vieh erzeugt. Sie geben weniger Vieh an oder entsorgen die Gülle illegal. Landwirte müssen strenge Vorschriften bei der Gülleentsorgung einhalten, um die Umwelt vor Stickstoff und Phosphat zu schützen. 

Die Antwerpener Staatsanwaltschaft erklärte die Gründe für die laufenden Ermittlungen: Vor allem im dicht besiedelten Flandern und im Süden der Niederlande habe man Mühe, die anfallende Gülle zu entsorgen: “Gülle wird damit aus kriminologischer Sicht vergleichbar mit Abfall.” 

Die vorschriftsmäßige Entsorgung der Gülle kommt den Viehbauern teuer zu stehen. Aber die  Ackerbauern nehmen gerne mehr Gülle ab, als erlaubt ist, so die Staatsanwaltschaft. Das mache es  für “Güllehändler” interessant, die sich außerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegen wollen. 

Umweltministerin Demir: hart bestrafen

Die flämische Umweltministerin Zuhal Demir (N-VA) will Güllebetrug mit aller Härte bestrafen. “Unsere Umweltgesetzgebung dient in erster Linie dem Schutz Flanderns und aller Flamen, die hier leben. Jeder Verstoß ist kriminell, gefährdet unsere Umwelt und die Gesundheit aller Flamen und muss hart bestraft werden", so Demir. Die flämische Regierung wird eine zivilrechtliche Klage einreichen.

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