Kontaktverfolgung in Flandern leidet noch immer unter Anlaufschwierigkeiten

Das flämische Kontaktverfolgungssystem hat noch stets mit vielen Problemen und Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen. Im TV-Nachrichtenmagazin der VRT, Pano, hieß es am Mittwochabend u. a., die Ergebnisse wären dürftig und habe man zu viel Geld bezahlt.

In Belgien ist die Personenkontaktnachverfolgung Sache der Kulturgemeinschaften und also gibt es vier verschiedene Zentren. In der Wallonie ist die Agence pour une vie de qualité (AViQ) zuständig. In Brüssel ist es ein Kollegium aus den beiden Sprachgemeinschaften und in Flandern die Agentschap voor zorg en gezondheid (VAZG) für Flandern. Auch die Deutschsprachige Gemeinschaft verwaltet das Tracing selbst. 

Aus der Pano-Reportage geht hervor, dass die Kontaktverfolgung zu Beginn der zweiten Welle nicht gut funktionierte. Belgien war damals eines der Schlusslichter in Europa. Aber auch heute, wo mit aller Kraft eine dritte Welle abgewehrt werden soll, sind nicht alle Probleme gelöst.

Callcenter sammeln viel zu wenig Daten

Die Untersuchung der Probleme hat die Grenzen der aktuellen Kontaktnachverfolgung ans Licht gebracht. Eine infizierte Person, die vom Callcenter kontaktiert wurde, kann dieses nicht zurückrufen, falls sie noch Fragen hat. Es können auch nur maximal zehn Kontakte je infizierte und kontaktierte Person in das System eingegeben werden: “Falsch!” lautet das Urteil von Niel Hens, Biostatistiker an der UHasselt und Mitglied des flämischen Lenkungsausschusses zur Ermittlung von Kontaktpersonen.” 

“Aufgrund dieser Daten über die Ursache und Umstände der Corona-Infizierung sollen die Behörden bestimmte Maßnahmen ergreifen”, erklärt Niel Hens, aber die Callcenter sammeln viel zu wenig Daten.  

Die Reporter haben errechnet, dass von fast 70 Prozent der Infizierten keine engen Kontakte bekannt sind. “Das ist ein besonders mageres Ergebnis”, stellt Hens fest. 

Undurchsichtig

Laut eines Hausarztes in Antwerpen funktioniert die Kontaktverfolgung manchmal gut und manchmal überhaupt nicht. Wie bei einem Mann aus Antwerpen, der seine fünf Kinder als Risikokontakte angegeben hatte. Er war für jedes Kind von fünf verschiedenen Callcenter-Mitarbeitern angerufen worden. Darüber hinaus bekam er widersprüchliche Ratschläge, durfte mal zur Arbeit gehen, mal musste er zu Hause bleiben. 

Auch die Ausschreibungsverfahren für die Einrichtung von Kontaktverfolgungsstellen seien nicht immer transparent gewesen und hätten die Behörden zu viel bezahlt.  Von den 75 Millionen Euro, die für das Kontakt-Tracing ausgegeben worden seien, hätte man 20 Millionen einsparen können. Die beiden Pano-Reporter kommen zu dem Schluss, dass Flandern zig Millionen zu viel für ein schlecht funktionierendes System zahlt. 

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