Mit den Corona-Zahlen geht es auf und ab, aber die Positivitätsrate bleibt stabil: eine gute Sache?

Die Corona-Zahlen scheinen sich auf dem heutigen Niveau einzupendeln. Das gilt auch für die sogenannte Positivitätsrate, die Anzahl der positiven Corona-Tests im Verhältnis zu allen durchgeführten Tests. Ist das eine gute oder schlechte Nachricht? Die VRT-Nachrichtenredaktion hat es untersucht.

Die Corona-Zahlen scheinen sich auf dem heutigen Niveau einzupendeln. Das gilt auch für die sogenannte Positivitätsrate, die Anzahl der positiven Corona-Tests im Verhältnis zu allen durchgeführten Tests. Ist das eine gute oder schlechte Nachricht?  

Objektiver Wertmesser

Der große Vorteil der Positivitätsrate ist, dass bei ihrer Berechnung alle Corona-Tests mitgezählt werden. Und das sind, abhängig vom Kalender, mal weniger (z. B. Weihnachtsferien) mal mehr Tests (z. B. nach den Weihnachtsferien). Die Positivitätsrate ist also ein objektiver Wertmesser zur Beurteilung eines Anstiegs oder Rückgangs der Corona-Zahlen und der weiteren Entwicklung der Epidemie. Wenn deutlich mehr getestet wird, ist es logisch, dass die Zahl der Neuinfektionen steigt. Die Positivitätsrate kann diese Entwicklung relativieren.

In Belgien schwankt die Positivitätsrate seit geraumer Zeit um 5,5 Prozent. Zurzeit liegt sie, so die Erhebungen des belgischen Gesundheitsamtes Sciensano, bei 5,2 Prozent und ist also rückläufig. 

Zehntelprozente machen viel aus

“Ein Rückgang von ein paar Zehntelprozentpunkten scheint gering, aber in Wirklichkeit macht das sehr viel aus”, erklärt Brecht Devleesschauwer, Statistiker am Gesundheitsinstitut Sciensano.  

Zum Vergleich: Während der beiden Infektionsspitzen im Frühjahr und Herbst 2020 ist die Positivitätsrate zeitweise auf 30 Prozent und mehr gestiegen (Ende März 2020 lag die Anzahl der positiven Tests bei 32,7 Prozent, Ende Oktober bei 28,5 Prozent, jeweils auf Wochenbasis). Die aktuellen Zahlen stimmen eher positiv, sind aber noch nicht gut genug, um eine Lockerung der Corona-Maßnahmen vorzunehmen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt voraus, dass die Positivitätsrate deutlich unter 5 Prozent fallen muss, und zwar für mindestens zwei Wochen. 

Das belgische Gesundheitsinstitut hat erheblich strengere Bedingungen festgelegt, um Lockerungen veranlassen zu können: maximal 800 Neuinfektionen und 75 Krankenhauseinweisungen im Schnitt und pro Tag sowie eine Positivitätsrate von 3 Prozent über mehrere Wochen.

Berechnen

Sciensano arbeitet mit wöchentlichen Durchschnittswerten für seine offizielle Statistik und rundet auch den Positivitätsanteil etwas ab, damit die Zahlen einfach zu verstehen sind.

Brecht Devleesschauwer sagt, dass Ab- oder Aufrundungen große Differenzen in absoluten Zahlen ergeben können. “Da es sich um eine große Anzahl von Tests handelt, können Zahlen nach dem Komma viel ausmachen. Wir runden die Positivitätsrate für die Berichte auf eine Stelle nach dem Komma ab, aber die zweite Stelle nach dem Komma spielt trotzdem eine Rolle, wenn es beispielsweise um den Unterschied zwischen 5,36 % und 5,44 % geht." 

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