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Impfstoffe: Belgier an der Entwicklung eines neuen Vakzins beteiligt - Drohen hier logistische Probleme?

Langsam aber sicher läuft auch die Impfkampagne in Belgien an. In vielen Städten stehen Impfzentren entweder kurz vor der Eröffnung oder aber sie werden gerade aufgebaut. Listen, nach welcher Reihenfolge geimpft werden wird, stehen bereits, doch wann effektiv geimpft werden kann, hängt von der Verfügbarkeit der Impfstoffe ab. Hier drohen nach Ansicht von Experten logistische Probleme. Inzwischen kündigt der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson ein weiterer Corona-Impfstoff an - wieder mit belgischer Beteiligung und mit logistischen Vorteilen.

Laut einer Studie von Logistikern an der Universität Antwerpen (UAntwerpen) würden die Impfstoffe in Belgien am besten aus einem Zentrallager verteilt und nicht über rund 40 über das Land verteilte Krankenhäuser. Mit einem Main-Hub würden deutlich weniger Impfdosen im Laufe von Transporten oder der Aufbewahrung verloren gehen, so der Tenor der Studie.

Aktuell werden die Impfstoffe bzw. die Impfdosen von den Pharma-Unternehmen direkt an die rund 40 Verteilzentren in Krankenhäusern geliefert. Dort werden sie aufbereitet, um danach an die rund 150 Impfzentren ausgeliefert zu werden.

Diese Vorgänge erfordern sehr spezifische logistische und kühltechnische Handlungen, was statistisch von der Uni Antwerpen vorgerechnet, zu einem Verlust von bis zu 3 % der Impfdosen führen kann. Die lange Lieferkette sei deutlicher Schwachpunkt, so die Studie. Über ein zentrales Lager würde sich der Verlust auf geschätzt 2 % der Impfstoffe oder Impfdosen beschränken.

Johnson & Johnson beantragt die Zulassung für einen Impfstoff

Der amerikanische Pharmakonzern Johnson & Johnson hat bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung für seinen Corona-Impfstoff beantragt. Das Vakzin wurde maßgeblich vom belgischen Tochterunternehmen von Johnson & Johnson, Janssen Pharmaceutica, genauer Janssen-Cilag International N.V in Beerse (Prov. Antwerpen) mitentwickelt. 

Die EMA soll bis Mitte März über die Zulassung dieses Impfstoffs entscheiden, hieß es dazu von Seiten des Herstellers. Das bedeutet, dass nach den Vakzinen von Pfizer/BioNTech, Moderna und AstraZeneca bald ein vierter Impfstoff in der Europäischen Union zur Verfügung stehen könnte.

Logistischer Vorteil

Johnson & Johnson gab jetzt im Zuge der klinischen Tests bekannt, dass dieser Impfstoff eine Wirksamkeit zwischen 66 und 85 % habe, was in pharmazeutischen und medizinischen Kreisen als ein gutes Ergebnis gilt. Der Vorteil des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson liegt auch im logistischen Bereich, denn er kann nach Herstellerangaben bei Kühlschranktemperatur gelagert werden. Zudem ist mit diesem Impfstoff nur eine Dosis erforderlich. Die anderen Produkte machen zwei Impfungen notwendig.

Die EMA erklärte, man werde das Vakzin der belgischen Johnson & Johnson-Tochter Janssen-Cilag International N.V. in einem beschleunigten Verfahren prüfen. Voraussetzung ist für die Europäische Arzneimittelbehörde, dass die Daten des Unternehmens zu Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität umfassend und robust sind. Diese recht kurze Prüfung ist möglich, weil die EMA bereits einige Daten im sogenannten "Rolling-Review"-Verfahren vorab begutachten konnte.

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