Noch nie mussten sich die Lebensmittelbanken in Belgien um so viele Bedürftige kümmern, wie 2020

Die belgischen Lebensmittelbanken haben 2019 mehr Menschen unterstützen müssen als je zuvor. Pro Monat meldeten sich im Durchschnitt 175.000 Personen bei den verschiedenen Lebensmittelbanken im Land. In manchen Monaten wurden hier fast 200.000 Bedürftige registriert. Der Verband der Lebensmittelbanken gibt an, dass bisher noch nie eine derartige Zunahme von Bedürftigen in Belgien registriert wurde. Es ist davon auszugehen, dass hier die Coronakrise mitgespielt hat.

„Seit wir die Zahlen beibehalten, seit den 1980er Jahren, haben wir noch nie solche Zahlen gesehen“, sagte Jef Mottar vom Vervand der belgischen Lebensmittelbanken am Mittwoch gegenüber VRT NWS. Insgesamt wurden letztes Jahr rund 20.900 Tonnen an Lebensmitteln an Bedürftige in den Lebensmittelbanken verteilt - rund 24 % mehr als 2018. Statistisch gesehen entspricht diese Menge an Nahrungsmitteln rund 42 Millionen Mahlzeiten.

Zu den neuen Bedürftigen gehören z.B. Studierende, die keine Studentenjobs mehr finden und auch Menschen, die von Schwarzarbeit leben (müssen). Die höchste Zunahme von Bedürftigen, die sich an die Lebensmittelbanken wenden mussten wurde in der Brüsseler Region registriert.

Lebensmittel ankaufen

Zum ersten Mal überhaupt mussten die Lebensmittelbanken Lebensmittel auf eigene Kosten einkaufen. Die finanziellen Mittel dazu kommen aus Spendengeldern (private Spenden und Spenden von Unternehmen) und von den belgischen Bundesbehörden. Die hiesige Lebensmittelindustrie hat ihrerseits über 1.000 Tonnen Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt. Ein Großteil der hier verteilten Lebensmittel (57 %) sind Überschüsse z.B. aus Supermärkten, die sonst weggeworfen würden.

Die Nachfrage übersteigt wohl auch in diesem deutlich das Angebot solcher Einrichtungen. Bundesministerin Karine Lalieux (PS), die für Armutsbekämpfung zuständig ist, geht davon aus, dass die sich die Lage weiter zuspitzen wird. Ihr Ministerium arbeitet zur Zeit an einem Plan mit konkreten Hilfsmaßnahmen für die Lebensmittelbanken. Inzwischen reichen auch die von der EU bezuschussten Lebensmittelkäufe nicht mehr aus.

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