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Die Königliche Domäne in Laken soll für die Öffentlichkeit zugänglich werden

Die Mehrheitsparteien im Brüsseler Regionalparlament wollen erreichen, dass die Königliche Domäne und ihre riesige Parkanlage im Stadtteil Laken zumindest teilweise für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Der Vorstoß wird damit begründet, dass man im Großraum Brüssel zu wenig öffentliche Grünflächen und Erholungsräume finden kann. Dies ist bei weitem nicht der erste dahingehende Vorstoß. 

Der Schlosspark von Laken wird lediglich von der Familie des Königs genutzt. In den weitläufigen Anlagen befinden sich das Schloss von Laken, der Wohnsitze der königlichen Familie und die Gewächshäuser, die als einzige dort befindliche Anlagen einmal pro Jahr zu besichtigen sind. Doch jetzt wollen die Brüsseler Mehrheitsparteien PS (Sozialisten), Ecolo/Groen (Grüne) und Défi (Linksliberale), dass zumindest ein Teil der Anlagen permanent öffentlich zugänglich wird.

Die Privatsphäre und der Schutz der Königsfamilie sollen dabei gewährt sein und auch die im Schlosspark befindlichen Tiere und Pflanzen sollen nicht beeinträchtigt werden. Dazu sagte Lotte Stops von den flämischen Grünen Groen in Brüssel: „Weil der Park schon so lange abgeschlossen ist, haben sich Flora und Fauna dort voll und ganz entwickeln können. Wir wissen auch nicht genau, was da alles zu finden ist.“

Resolutionsvorschlag

Die drei oben genannten Parteien haben dazu einen Resolutionsvorschlag im Brüsseler Regionalparlament eingereicht, in dem die Regionalregierung dazu aufgefordert wird, entsprechende Schritte einzuleiten. Einer davon wären Verhandlungen mit der Königlichen Stiftung, die das Sagen über diese und andere royale Anwesen in Belgien hat. Die Oppositionsparten N-VA (flämische Nationaldemokraten) und PVDA (Linksradikale) im Brüsseler Parlament können sich mit diesem Vorstoß ebenfalls anfreunden.

Dies ist nicht der erste Versuch, die Anlagen für die Öffentlichkeit zu öffnen, doch es ist das erste Mal, dass sie von Parteien ausgeht, die zur Mehrheit im Brüsseler Regionalparlament ausgeht. Die drei hier federführenden Parteien stellen fest, dass gerade jetzt, während dieser Corona-Epidemie in Belgien, die Suche nach Erholung in der näheren Umgebung deutlich wird. Sowieso habe Brüssel zu wenig Grünflächen, auch wenn hier der Zonienwald oder der Josaphatpark zu finden ist. Nicht zuletzt würden die königlichen Parkanlagen auch einen zusätzlichen touristischen Mehrwert bilden, so der Vorschlag.

Nicht der erste Vorstoß

Dies ist bei weitem nicht der erste Vorstoß, der eine Öffnung der „Königlichen Domäne“ in Brüssel/Laken fordert. 2017 brachten die flämischen Nationaldemokraten N-VA einen entsprechenden Gesetzesvorschlag ein und 2007 versuchten dies auch die flämischen Liberalen Open VLD sowie 2012 die Sozialisten PS und SP.A. Und Anfang 2017 reichten die flämischen Grünen (Groen) eine entsprechende Resolution im Brüsseler Regionalparlament ein. Und im Juni 2017 startete die Brüsseler Bürgerinitiative „Picnic The Streets“, die schon die Fußgängerzone in der Brüsseler Innenstadt durchdrücken konnte, eine dahingehende Aktion.

Der riesige Park, den lediglich König Philippe und seine Familie ab und zu zum Joggen nutzen, ist mit 186 Hektar größer als das am dichtesten bevölkerte Brüsseler Stadtviertel Sint-Joost-ten-Noode. Diese Fläche entspricht etwa 250 Fußballfeldern und ist „nur“ halb so groß, wie der Central Park in New York. Ob er jemals öffentlich wird, ist fraglich, denn der König hängt an seinem Park. Und dem Staat sind die Hände gebunden. Die Anlage gehört zu 49 % der staatlich-belgischen Gebäuderegie und zu 51 % der „Königlichen Schenkung“. Und die hat das letzte Wort.

Alexander Dumarey
Nicolas Lambert

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