Andreas Kockartz

Gallo-Römisches Museum in Tongeren bietet Einblick in römische Sammlung des British Museum

Das British Museum in London besitzt eine der bedeutendsten Sammlungen an archäologischen Fundstücken aus der Römerzeit weltweit. Rund 250 dieser Stücke sind jetzt im Gallo-Römischen Museum in Tongeren in der Provinz Limburg zu sehen. Die Ausstellung „Unter vier Augen mit den Römern“ zeichnet damit ein Bild der enormen Vielfalt, die dieses riesige Imperium vor 2.000 Jahren zu bieten hatte. Trotz der Tatsache, dass der eitle römische Kaiser Augustus zahllose Statuen von sich selbst anfertigen ließ, ist der künstlerische Reichtum aus dieser Zeit enorm und nach wie vor sehenswert.

Zahllose archäologische Fundstücke aus der Römerzeit hat das Britsch Museum aus der ganzen Welt zusammengetragen und 250 dieser Stücke hat dieses Museum jetzt den Kuratoren des Gallo-Römischen Museums in Tongeren zur Verfügung gestellt. Darunter sind prächtige Trinkbecher aus Fluorit oder auch wunderschöne und bestens erhaltene Skulpturen.

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Andreas Kockartz

„Unter vier Augen mit den Römern“ bietet mit diesen Leihgaben aus London eine Zeitreise durch das Römische Reich und erzählt damit Geschichten, die 2.000 Jahre zurückgehen. Neben den Ausstellungsstücken an sich ermöglichen Videos und digitale Animationen einen tiefen Einblick in diese Zeit. Hier erzählen fiktive Personen aus allen damaligen gesellschaftlichen Kreisen, wie das Leben damals dort war. Es ist dabei kein Zufall, dass gerade dieses Museum in Tongeren eine solche Ausstellung konzipiert. In der ältesten Stadt Belgiens werden noch fast täglich Gegenstände aus der römischen Zeit gefunden, die natürlich in der ständigen Ausstellung zu entdecken sind.

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Die Ausstellung zeigt Topstücke aus der Sammlung des British Museum. Darunter sind lebensgroße Skulpturen von Kaisern und Göttern, prächtige Grabsteine, Amphoren für Weine und Öle, aber auch glitzernder Schmuck und brutale Waffen. Fresken und typische römische Mosaike runden das Ganze ab. Die vielen hier ausgestellten Stücke belegen zudem unglaubliche handwerkliche Fähigkeiten, über die die damaligen Handwerker, Bildhauer, Schmuck- und Waffenhersteller und andere Künstler damals verfügten.

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Andreas Kockartz

„Unter vier Augen mit den Römern“ lässt aber auch feststellen, wie „multikulturell“ die Gesellschaft damals war. Das Römische Reich erstreckte sich über weite Teile Europas, Nordafrika und den Nahen Osten. Von überall kamen Einflüsse und die Diversität der Menschen war enorm: Etrusker, Griechen, Germanen, Araber und viele mehr, doch bei den Germanen fühlten sich die Römer nicht besonders wohl. War hier das Wetter zu schlecht?

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Quis porro Asia aut Africa aut Italia relicta Germaniam peteret, informem terries, asperam caelo tristem cultu adspectueque, nisi si patria sit?“

„Wer will Asien, Afrika oder Italien verlassen und sich auf die Suche nach Germanien machen? Die Erde ist wüst, das Klima rau, das Leben und die Landschaft trist. Hier kommt man doch nur her, wenn es dein Vaterland ist.“ Publius Cornelius Tacitus, 98
Andreas Kockartz

Ein Blick in das Zentrum des Reiches, nach Rom selber, zeigt, wie sehr die Römer gleichzeitig aber auch an ihren eigenen Traditionen festhielten. (Siehe Foto oben mit Romulus, Remus und der Wölfin)

Das Gallo-Römische Museum in Tongeren ist bekannt für seine digitalen Animationen und Videos zur Bereicherung von Sonderausstellungen. Auch jetzt wieder erzählen darin Schauspieler passende Geschichten zu den hier Gezeigten (leider nur in Niederländisch und in Französisch).

Nicht nur diese modernen Möglichkeiten und die gezeigten prächtigen Ausstellungsstücke machen diese Ausstellung zu einem absoluten Erlebnis. „Unter vier Augen mit den Römern“ ist eine familien- und kinderfreundliche Angelegenheit. Spielerisch können Kinder und Jugendliche quase eine eigene Reise durch das Römische Reich unternehmen. Und Computerspiele runden das Ganze ab.

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Andreas Kockartz

Gestaltet hat diese Ausstellung das belgisch-japanische Kreativbüro SHSH aus Brüssel. Deren Konzept weiß mit klaren Linien, einem ästhetischen Lichtspiel und frischen Farben zu überzeugen. Für eine besondere Atmosphäre sorgt daneben eine wunderbare aber unaufdringliche Soundscape.

„Unter vier Augen mit den Römern“, noch bis zum 1. August 2021, Gallo-Römisches Museum, Kielenstraat 15, 3700 Tongeren. Info: https://www.galloromeinsmuseum.be/  

Eine Gedenkmünze nach dem Sieg der Römer über die Chatti, ein germanisches Volk, das etwa dort lebte, wo sich heute Hessen befindet
Andreas Kockartz

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