Infektiologin Erika Vlieghe: "Wir müssen endlich aufhören, immer nur zu jammern“

Die Professorin Erika Vlieghe (Foto) hat in der sonntäglichen VRT-Talkshow ‚De zevende dag‘ (dt.: Der siebte Tag) dazu aufgerufen, "weniger zu jammern". Die renommierte Infektiologin bestreitet nicht, dass die ganze Corona-Krise und die Corona-Maßnahmen jeden schwer belasten, aber es hilft ihrer Meinung nach nicht, ständig darüber zu klagen. "Wenn wir uns sehr oft sagen: Es ist furchtbar schrecklich und wir halten es nicht mehr aus, dann werden wir es auch nicht aushalten."

Nach einem Gespräch mit Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A) und dem Motivationspsychologen Maarten Vansteenkiste, in dem es unter anderem um die Impfstrategie und die Corona-Müdigkeit ging, meldete sich die Infektiologin Erika Vlieghe noch einmal zu Wort und antwortete auf den oft wiederholten Ausruf: "Wir halten es nicht länger aus."

"Dem kann ich nicht ganz zustimmen", sagte Vlieghe. "Wenn wir uns sehr oft sagen: Es ist schrecklich und wir halten es nicht mehr aus, dann hält man es auch nicht mehr aus. Ich möchte in keiner Weise bestreiten, dass dies eine schwere Belastung für alle und sicherlich für viele Gruppen wie besonders gefährdete Menschen oder unsere jungen Menschen ist. Aber gleichzeitig denke ich - ich habe es schon einmal gesagt und werde es falls nötig auch auf ein T-Shirt drucken lassen - : Wir müssen aufhören, immer nur zu jammern."

"Vor genau einem Jahr hatten wir den ersten Corona-Patienten und wir hatten in unserem Krankenhaus in ein paar Containern eine Testeinheit zusammengebastelt. Die wurde von Leuten gestürmt, die aus Italien aus dem Winterurlaub zurückkamen. Damals konnten wir ein paar Dutzend Tests pro Tag durchführen, jetzt können wir viele Zehntausende machen."

"Wir haben eine ganze Impfstrategie. Das Impfen geht unserer Meinung nach zu langsam, aber die Pflegeheime sind so gut wie vollständig geimpft. Dort sinkt die Sterblichkeitsrate und wir sehen viel weniger Ausbrüche. Das ist ein enormer Fortschritt, über den wir nicht genug reden. Aber wir machen definitiv Fortschritte."

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