Neuer Corona-Zeitplan: Gastronomie nur mäßig und Kultur gar nicht zufrieden

Der Zeitplan für die nächsten Lockerungen der Corona-Maßnahmen der belgischen Bundesregierung stellt nicht alle gesellschaftlichen Bereiche zufrieden. Das Motto der Regierung lautet „Draußen, draußen, draußen!“, doch vorerst bleiben die Möglichkeiten weiter für die Sektoren Kultur, Events und Gastronomie sehr eingeschränkt. Alles hängt zudem von weiteren Infektions- und Impfgeschehen im Land ab. Aber, dem Veranstaltungssektor und der Gastronomie werden sowohl von belgischer Bundes-, als auch von flämischer Landesseite her weitere Unterstützungen gewährt. 

Enttäuschung in der Kulturwelt

Ab dem 1. April können kulturelle Aktivitäten und Veranstaltungen unter freiem Himmel mit 50 Zuschauern unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregelungen stattfinden. Der Kultursektor ist sehr enttäuscht, denn hier würden seit Monaten Protokolle vorliegen, mit denen Veranstaltungen für mehr Zuschauer draußen und innen allen geltenden Regeln entsprechen organisiert werden können. Mit nur 50 zugelassenen Zuschauern im Publikum sei keine einzige Veranstaltung rentabel und damit kaum durchführbar.

Inzwischen würden sich kulturelle Initiativen auflösen oder müssten Konkurs anmelden und zahlreiche Akteure, z.B. soloselbständige Künstler und Veranstaltungstechniker in die Armut absinken. Die „Krisenzelle Kultur“ in Flandern will am 15. April wieder loslegen. Wie das laufen soll, ist unklar.

Die belgische Bundesregierung bietet dem Eventsektor aber eine weitere Unterstützung. Am Freitag beschloss der Ministerrat, dass Arbeitgeber in diesem Sektor, die mehr als 5 Mitarbeiter beschäftigen, im zweiten und dritten Quartal 2021 von den sozialen Arbeitgeberabgaben befreit werden. Dies wird aber nur dann gewährt, wenn die Mitarbeiter nicht entlassen oder in die Kurzarbeit geschickt werden. 

Gastronomie: Perspektive ok, doch Neustart kommt zu spät

Cafés und Restaurants können unter strengen Auflagen ab dem 1. Mai wieder öffnen. Dass die Gastronomen jetzt wieder eine Perspektive haben, ist eine eher positive Sache, doch für Verärgerung sorgt die Tatsache, dass dies erst so spät und zudem nach den Osterferien der Fall sein wird.

Viele Gastronomen, z.B. an der Küste, bieten inzwischen Mahlzeiten und warme Getränke zum Mitnehmen an, doch inzwischen stellen sich viele die Frage, warum sie denn dies nicht auch auf ihren Terrassen anbieten können. Jetzt stehen sie vor der Tatsache, dass der Saisonauftakt in den Osterferien, wenn auch die touristische Saison wieder anläuft, quasi ausfallen wird.

Dies stimmt sogar die Bürgermeister der Küstenbadeorte grimmig. Hier deutet man ähnlich, wie in der Kulturwelt, eine Art „zivilen Ungehorsam“ an und droht mit vorgezogener Öffnung.

Das belgische Bundesland Flandern bietet der Gastronomie für die Dauer der letzten beiden Lockdownmonate eine weitere finanzielle Hilfe. Unternehmen aus diesem Bereich, die gezwungen schließen mussten oder die mindestens 60 % ihres Umsatzes verloren haben, bekommen 10 % ihrer Verluste erstattet. Und von Seiten der belgischen Bundesregierung kommt der Beschluss, Gastronomen die Freistellung der Sozialabgaben von bis zu 120 Überstunden zu gewähren und dies bis zum Anfang der Sommerferien. 

Rob Engelaar Fotografie

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