Sexarbeiter und Corona: Ein vergessener Berufszweig ohne Perspektive

Am Sonntag haben einige Sexarbeiter und Sexarbeiterinnen in der Nähe des Brüsseler Nordbahnhofs protestiert (Fotos unten). Dabei forderten sie, die in diesen Coronazeiten nicht arbeiten dürfen, eine Perspektive und ein sicheres Statut für ihren Beruf. Tatsache ist, dass Prostitution in Belgien nur geduldet ist. Die Sexarbeiter zahlen zwar Sozialabgaben, doch da es ihren Beruf eigentlich offiziell nicht gibt, haben sie kein Anrecht auf Corona-Unterstützungsgelder. Viele arbeiten dadurch erst recht illegal oder sinken in die Armut ab.

Ein Sexarbeiter, der anonym bleiben wollte, erklärte am Sonntag im Rahmen der VRT-Sendung „De zevende dag“ („Der siebte Tag“) in welcher professionellen Unsicherheit sich die Betroffenen gerade befinden: „Viele Mädchen sind offiziell als Selbständige angemeldet und sie bezahlen ihre sozialen Beiträge, doch bei dieser Krise bekamen sie zu hören, dass sie nicht existieren, gerade jetzt, wo sie sich auf ihre Rechte berufen wollen. Die heutige Krise zeigt, wie dringend und wichtig es ist, um etwas gegen die Grauzone rund um unser Statut zu unternehmen. Wir fordern Deutlichkeit, denn momentan werden wir totgeschwiegen.“

Am Sonntag sind einige Sexarbeiter und einige Vertreter von Utsopie, dem Berufsverband in der Prostitution, am Brüsseler Nordbahnhof zusammengekommen, um auf ihre Sorgen und Nöte hinzuweisen. Alle sagten, dass sie eine Perspektive und ein berufliches Statut brauchen - nicht zuletzt um später auch einmal die Rente zu bekommen, für die sie jetzt einzahlen. Eine weitere Forderung ist auch die, dass die Prostitution aus dem belgischen Strafgesetzbuch gestrichen werden soll, denn nur so könne man aus der Marginalität kommen. Die Sexarbeiter erinnerten einmal mehr daran, dass ihre Jobs auch eine Arbeit seien, genauso wie die der anderen Kontaktberufe in Belgien.   

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