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Fall Mawda: Polizist geht gegen seine Verurteilung in Berufung

Im Fall des irakisch-kurdischen Kleinkindes Mawda, das bei einer Verfolgungsjagt im Mai 2018 in einem Lieferwagen sitzend von einer Polizeikugel tödlich getroffen wurde, legt der Polizist, der den fatalen Schuss abgegeben hat, Berufung ein. Dieser Vorgang stößt bei einigen Beteiligten auf völliges Unverständnis, wie die Brüsseler Nachrichtenplattform BRUZZ meldet.

Die damals 2 Jahre alte Mawda war in der Nacht vom 17. auf den 18. Mai 2018 bei der Verfolgung eines Lieferwagens auf der Autobahn E42, in dem Transitmigranten vermutet wurden, von einem tödlichen Schuss getroffen worden. Das Strafgericht von Mons (Provinz Hennegau) befand den Polizisten, der den tödlichen Schuss abgegeben hatte, für Schuldig und verurteilte ihn am 12. Februar dieses Jahres wegen Totschlag und Fahrlässigkeit zu einem Jahr Haft auf Bewährung (siehe nebenstehenden Bericht).

Am Mittwoch bestätigte Laurent Kennes, der Anwalt des Polizisten, gegenüber der belgischen Nachrichtenagentur Belga, Meldungen zu einer möglichen Berufung gegen das Urteil: „Wir haben für einen Freispruch und für eine Aussetzung des Urteils plädiert und das ist nicht das, was das Gericht beschlossen hat.“ 

Nach längerer Überlegung habe man sich dazu entschlossen, gegen das Urteil Berufung einzulegen: „Das bedeutet, dass dieser Prozess wieder bei null beginnt.“ Ob die anderen Verurteilten ebenfalls in Berufung gehen wollen oder werden, wusste Kennes nicht.

Unverständnis

Das Komitee #Justice4Mawda, das in dem Verfahren als Nebenkläger aufgetreten war, reagiert bestürzt auf diese Nachricht. Dieses Urteil sei das Beste, was für den Polizisten aus diesem Verfahren herausgekommen sei und es sei ein für ihn „sehr günstiges Urteil“, hieß es zu der Ankündigung einer Berufung von dieser Seite her: „Trotz aller Fehler, die ihm zu Lasten gelegt wurden, bekam der Polizist nur eine Bewährungsstrafe. Überdies wurde der belgische Staat zur Zahlung einer Entschädigung für die Eltern verurteilt. Der Polizeibeamte muss also keinen Tag im Gefängnis verbringen und er braucht keinen Cent zu bezahlen.“ 

Jetzt werde ein Verfahren in höherer Instanz wieder für ein Trauma für die Eltern sorgen und sie müssen den Verlust ihrer kleinen Tochter erneut erleben, so das Komitee #Justice4Mawda in einer Presseerklärung.

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