Rob Engelaar

Abgehört? Polizei bittet jeden, der mit dem verschlüsselten Sky ECC-System arbeitet, sich zu melden

Die belgische Bundespolizei ruft alle Nutzer des verschlüsselten Sky ECC-Telefonsystems dazu auf, sich zu melden. Im Rahmen der Ermittlungen gegen die Drogenmaffia in Belgien stellte die Polizei fest, dass das System abgehört wird. Bei den Ermittlern heißt es dazu: „Wenn die Telefone für legale Ziele genutzt werden, wird der gesamte Dateninhalt gesichert.“ Experten auch aus dem Bereich Privacy halten von dieser polizeilichen Vorgehensweise nur wenig.

Die „Operation Sky“ gegen den Drogenhandel und die damit zusammenhängende organisierte Kriminalität (die größte entsprechende Polizeiaktion in Belgien überhaupt) zieht weiter Kreise durch die Gesellschaft. Inzwischen stehen auch Anwälte und Polizisten (darunter ein Hauptkommissar der Drogenfahndung in Antwerpen) unter Verdacht, der Drogenmaffia zu Diensten gewesen zu sein, z.B. durch Zuspielung von Informationen aus den Datenbanken der Polizei oder durch versuchte Beeinflussung der Justiz (siehe nebenstehenden Beitrag). 

Inzwischen gerät auch das angeblich sichere und nicht zu knackende verschlüsselte Kommunikations- und Telefonsystem Sky ECC, dass in den vorliegenden Dossiers zu kriminellen Zwecken (Drogendeals, Waffenhandel, Austausch von sensiblen Informationen) immer mehr in Zwielicht. Dieses System gab der Polizeiaktion übrigens ihren Namen „Operation Sky“…

Die belgische Bundespolizei konnte gemeinsam mit Europol sowie französischen und niederländischen Kollegen rund eine Milliarde Berichte aus Sky ECC in Zusammenhang mit der Aktion sichern, von denen bereits die Hälfte entschlüsselt werden konnte. Daraus ergaben sich die Verdachtsmomente, die zu der umfassenden „Operation Sky“ geführt hatten. Doch jetzt wurde bekannt, dass auch die legalen belgischen Nutzer dieses Systems abgehört wurden und dies auf Anordnung eines Untersuchungsrichters in Frankreich. 

Legale Sky ECC-Nutzer: "Bitte melden!"

Seit Mitte Februar 2021 haben die damit befassten Ermittler den Nachrichten- und Datenaustausch von rund 70.000 Sky ECC-Nutzern überwachen können, so Europol. Das bringt die belgische Polizei dazu, die legalen Nutzer in unserem Land dazu aufzurufen, sich zu melden, damit dieser Vorgang untersucht werden kann. Dabei garantiert die Polizei alle legalen Daten zu sichern und jedweden Privacyschutz zu gewähren.

Das allerdings ziehen Datenschützer und Wächter des Schutzes der Privatsphäre in Zweifel. Privatschutzexperte Matthias Dobbelaere-Welvaert sieht zwei Probleme: „Das erste ist die Frage, ob diese Untersuchung überhaupt so stattfinden kann, wie sie stattfindet. Kann die Polizei das so machen? Das darf nur unter sehr präzisen Umständen passieren und alle Daten von unschuldigen Personen müssen sofort aus den Ermittlungen entfernt werden. Das zweite Problem ist, dass jeder, der brav geblieben ist, dies bei der Polizei sagen kommen soll. Das ist nicht wirklich die Art und Weise, wie eine Untersuchung laufen soll. Damit wird die Welt auf den Kopf gestellt.“ 

Geknackt, entschlüsselt und Straftaten verhindert

Sky ECC bietet spezielle Smartphones und einen dazugehörenden Kundendienst an. In diesen mobilen Telefonen sind Funktionen wie Kameras, Mikrofone und GPS von vornherein deaktiviert. Ausgetauschte Nachrichten werden verschlüsselt und nach 30 Sekunden automatisch gelöscht. Mithilfe von bestimmten Passwörtern sollen ganze Nachrichten- und Datensammlungen sofort gelöscht werden können.

Laut Europol konnte durch die „Operation Sky“ der Gebrauch verschlüsselter Kommunikation durch die organisierte Kriminalität im vorliegenden Fall unterbrochen werden. Die Ermittler haben entscheidende Informationen zu über hundert geplanten kriminellen Deals z.B. von Drogenkartellen in die Hände bekommen. Die Aktion konnte zahllose Straftaten mit Schwerpunkt oder Ausgangspunkt Belgien, die auch Unschuldige hätten treffen können, verhindern. 

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