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Gedenkfeier für den ermordeten David in Beveren, Familie ruft zu mehr Besonnenheit auf

In Beveren (Provinz Ostflandern) versammelten sich etwa hundert Menschen zu einer Mahnwache (Video) zu Ehren von David, dem 42-jährigen homosexuellen Mann, der dort am vergangenen Wochenende in einem Park ermordet wurde. Bisher kann die Staatsanwaltschaft noch nicht bestätigen, dass es sich hierbei um einen Fall von Schwulenhass oder Homophobie handelte oder um einen Raubmord.  Davids Familie will deshalb das Ergebnis der Ermittlungen abwarten, bevor sie Stellung bezieht. Das Jugendgericht entschied Freitagnachmittag, dass die drei minderjährigen Tatverdächtigen in Haft bleiben.

Am vergangenen Wochenende wurde der 42-jährige David tot in einem Park in Beveren gefunden. Er wurde Opfer eines Gewaltverbrechens. Drei jugendliche Tatverdächtige sollen den Mann über eine beliebte schwule Dating-App in den Park gelockt haben.

Ob sie David nur wegen seiner sexuellen Orientierung getötet haben oder ob es sich um einen missglückten Raubüberfall handelte, der außer Kontrolle geriet, ist vorerst unklar. Der Staatsanwalt von Ostflandern will sich hierzu noch nicht festlegen. Im Moment werden die Ermittlungen unter der Qualifikation "Mord" geführt, aber das kann sich noch ändern.

Homophobie?

Rechtsanwalt Laurent De Clercq vertritt die Familie des Ermordeten zusammen mit dem bekannten Strafverteidiger Thomas Gillis. Die Anwälte reagieren nun im Namen der Familie: "Die Familie ist natürlich tief traurig wegen des Verlusts ihres Kindes, Bruders und Enkels. Das hat sie sehr hart getroffen. Dazu kommt das riesige Medieninteresse, was den normalen Trauerprozess erschwert", sagte Rechtsanwalt De Clercq VRT NWS.

Unklar sind laut De Clercq bisher die Motive der drei jugendlichen Tatverdächtigen. Viele Menschen - darunter Politiker und viele Organisationen wie LGBT-Verbände - haben in den letzten Tagen die Befürchtung geäußert, dass sie Homophobie als Motiv vermuten.  Doch für die Familie ist das keine Selbstverständlichkeit. Sie bitten um mehr Besonnenheit.

"Es ist der ausdrückliche Wunsch der Familie, den Ermittlungen nicht vorzugreifen. Sie hoffen auf etwas Ruhe, damit die Justiz ihre Arbeit machen kann (...) Jeder, der jetzt Stellung bezieht, ist meiner Meinung nach voreilig. (...) Deshalb bitten wir um Zurückhaltung, aus Respekt vor der Familie, aber auch aus Respekt vor den Ermittlungen", erklärt Herr De Clercq.

"Es ist nicht richtig, Aussagen zu machen, die noch nicht überprüft worden sind (...) Die Familie will den Tatsachen nicht vorgreifen. Wenn es mehr Erkenntnisse gibt, wird die Familie wahrscheinlich Stellung dazu beziehen." Laut De Clercq schließt die Familie die Möglichkeit von Homophobie nicht aus, aber es sei einfach zu früh, um sich schon jetzt festzulegen. 

Drei jugendliche Strafverdächtige

Drei junge Männer meldeten sich am Tag nach der Entdeckung der Leiche bei der Polizei und gaben an, für Davids Tod verantwortlich zu sein. Es sind ein 17-Jähriger aus Antwerpen und ein 16- und 17-Jähriger aus Beveren. Das Jugendgericht in Antwerpen hat Freitagnachmittag entschieden, dass der 17-Jährige aus Antwerpen im Gefängnis bleiben muss. Das Jugendgericht in Dendermonde entschied dasselbe für die Minderjährigen aus Beveren. Die drei müssen einen Monat länger in der Jugendhaftanstalt Everberg (Foto)  bleiben.

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