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Übersterblichkeit: 18.000 zusätzliche Sterbefälle seit Beginn der Corona-Pandemie in Belgien

Seit dem 1. März 2020 bis zum 28. Februar 2021 sind in Belgien insgesamt 127.224 Menschen gestorben. Das sind fast 18.000 mehr als in einem durchschnittlichen Jahr. Obschon die Corona-Pandemie die Hauptverantwortung für die Übersterblichkeit trägt, spielte auch die Hitzewelle des letzten Sommers eine Rolle beim Anstieg der Sterbefallzahlen. 

In einem durchschnittlichen Jahr sterben in Belgien etwa 110.000 Menschen. Diese Zahl ist seit mehreren Jahrzehnten stabil geblieben. Doch im vergangenen März betrat ein großer Spielverderber das Feld: COVID-19.

Seit dem Ausbruch der Pandemie sind die Sterbefallzahlen in Belgien erheblich gestiegen. Nach Angaben der belgischen Statistikbehörde Statbel gab es in den letzten 12 Monaten 18.425 mehr Todesfälle als im Durchschnitt der letzten 3 Jahre. Dies ergibt eine Übersterblichkeitsrate von 17 %.

Die interaktive Karte hierunter gibt die Übersterblichkeit in jeder Gemeinde an. Ein Klick auf die gesuchte Gemeinde genügt oder geben Sie bei 'Zoek een gemeente' die gesuchte Gemeinde ein. 'Aantal overlijdens' heisst Anzahl Sterbefälle und 'Percentage oversterfte' ist der Prozentsatz der Übersterblichkeit. 

Der Statistiker Patrick Lusyne bestätigte VRT NWS, dass die Zahlen außergewöhnlich sind und seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr auf diesem Niveau festgestellt wurden. Mit 15.523 bzw. 14.072 Todesfällen hatten der letzte April und der letzte November die höchsten monatlichen Sterbeziffern seit Beginn der Aufzeichnungen durch Statbel im Jahr 1919. Eine kleine Spitze bei den Todesfällen wurde im August durch eine 12-tägige Hitzewelle verursacht.

Derzeit sterben im Durchschnitt 25 Menschen mit COVID-19 pro Tag. Patrick Lusyine stellt jedoch fest, dass es momentan keine Übersterblichkeit mehr gibt. "Wegen der Corona-Maßnahmen, wurden andere Todesursachen verhindert. Zum Beispiel gab es in diesem Jahr keine Grippe-Epidemie".

Laut Statbel besteht kein Zusammenhang zwischen der Höhe der Übersterblichkeit  in den verschiedenen Gemeinden und der Bevölkerungsdichte. So die Brüsseler Gemeinde Sint-Joost-ten-Node die am dichtesten besiedelte Gemeinde in Belgien. Trotzdem ist die Übersterblichkeitsrate dort fast genauso hoch wie in der ländlichen Limburger Gemeinde Gingelom.

Die Höhe des Durchschnitteinkommens scheint ebenso wenig eine Rolle zu spielen wie das Durchschnittsalter der Bevölkerung. Gemeinden mit einer älteren Bevölkerung weisen keine höhere Übersterblichkeit auf als solche mit einer größeren Anzahl jüngerer Menschen. Fakt ist aber, dass vor allem in Gemeinden mit einer relativ kleinen Bevölkerung schon wenige zusätzliche Todesfälle zu einem großen prozentualen Anstieg der Sterblichkeitsrate führen können. 

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