Druck aus der Regierung: Bpost entlässt Postchef Jean-Paul Van Avermaet

Der Verwaltungsrat der belgischen Post, Bpost, hat unter dem Druck der belgischen Bundesregierung CEO Jean-Paul Van Avermaet (Foto) entlassen. Van Avermaet war bereits recht umstritten, da gegen ihn Ermittlungen zu seiner vorherigen Tätigkeit im Sicherheitssektor laufen, doch die sehr schlechten Jahresresultate bei Bpost brachten den Postchef weiter ins Wanken.

Bpost gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass der Verwaltungsrat CEO Jean-Paul Van Avermaet entlassen habe. Zuvor berichteten die flämischen Tageszeitungen De Standaard und De Tijd über diesen Schritt. Van Avermaet stand bereits seit einiger Zeit unter Druck, da die Resultate bei der belgischen Post sehr schlecht sind und da sich dies auch auf den Börsenkurs von Bpost sehr negativ auswirkt (-20 % an der Euronext-Börse in Brüssel am vergangenen Mittwoch). Während alle anderen Paketzusteller in Belgien gerade in diesen Coronazeiten Gewinne einfahren, schneidet die Post weiter schlecht ab und schreibt rote Zahlen. 

Ermittlungen wegen Preisabsprachen im Sicherheitssektor

Doch letztendlich brachten ihn die gegen ihn laufenden Ermittlungen wegen Preisabsprachen im Sicherheitssektor zu Fall. Die in Belgien aktiven Sicherheitsfirmen Securitas, G4S und Seris stehen seit einiger Zeit im Verdacht, jahrelang ihre Preise künstlich hoch gehalten zu haben, in dem sie untereinander Preisabsprachen trafen und den Markt unter sich aufteilten.

Nach Angaben der belgischen Wettbewerbsbehörde BMA stehen alle großen Firmen in diesem Sektor unter dem Verdacht, an dieser Wettbewerbsverzerrung am relativ kleinen belgischen Markt beteiligt zu sein. Hinzu kommt noch, dass alle diese Unternehmen auch und gerade Aufträge von der öffentlichen Hand erhalten (Bund, Länder und Regionen, Kommunen, staatliche Unternehmen…). Die Ermittlungen der belgischen Wettbewerbsbehörde begannen bereits etwa zu Beginn der Coronakrise.

Pikant an dieser Sache ist stets der Name des CEO der belgischen Post Jean-Paul Van Avermaet in Zusammenhang mit diesem Vorgang gewesen. Dieser war in den 10 Jahren vor seiner Anstellung als Bpost-Chef eine der führenden Personen im hiesigen Sicherheitssektor und zwar zum einen als Manager beim Sicherheitsunternehmen G4S und zum anderen als Vorsitzender des entsprechenden Berufsverbandes BVBO.

Wir brauchen jetzt einen CEO, der das Unternehmen auf die Zukunft vorbereitet. Herrn Van Avermaet ist dies leider nicht gelungen. Wir stehen vor einem Wendepunkt. Bpost ist eines der belgischen Kronjuwelen und spielt eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Wir müssen jetzt bei null beginnen und das werden wir auch tun.“

Petra De Sutter, Bundesministerin für die staatlichen Unternehmen

Belgiens Ministerin für Verwaltung und für die staatlichen Unternehmen Petra De Sutter (Groen - Foto unten) sagte dazu, dass die Tatsache, dass Jean-Paul Van Avermaet weder zu den laufenden Ermittlungen, noch zu seiner vorherigen Tätigkeit gegenüber dem Verwaltungsrat der Post ausreichend Informationen vorlegte, das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Damit habe er, so Ministerin De Sutter, gegen die Transparenzpflicht verstoßen, die von CEO von halbstaatlichen Unternehmen verlangt wird.

Bpost ist ein sogenanntes halbstaatliches Unternehmen, bei denen der belgische Staat die Aktienmehrheit besitzt. Van Avermaet war noch kein ganzes Jahr CEO der belgischen Post. Vorläufig übernimmt Bpost-Verwaltungsratspräsident François Cornelis die Aufgaben des CEO. Inzwischen ist bereits die Suche nach einem neuen Postchef gestartet, so De Sutter gegenüber VRT NWS: „Wir brauchen jetzt einen CEO, der das Unternehmen auf die Zukunft vorbereitet. Herrn Van Avermaet ist dies leider nicht gelungen. Wir stehen vor einem Wendepunkt. Bpost ist eines der belgischen Kronjuwelen und spielt eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Wir müssen jetzt bei null beginnen und das werden wir auch tun.“

Das Paketgeschäft nehme zu, während der Bereich Briefpost abnehme, so die Ministerin und zwischen der belgischen Bundesregierung und Bpost laufen derzeit auch die Verhandlungen zu einem neuen Geschäftsführungsvertrag. Auch dies verlange nach einem starken CEO und einem starken Verwaltungsrat, so De Sutter weiter.  

Petra De Sutter
petradesutter.be

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