Kaufkraft in Belgien: Corona vergrößert die Spanne zwischen Arm und Reich

Die Mehrheit der belgischen Haushalte hatte im vergangenen Jahr 2020 etwas mehr Kaufkraft, als 2019. Dies ist dem aktuellen Kaufkraftbarometer des Verbraucherschutz-Organs Test Aankoop/Test Achats zu entnehmen. Doch die Schere zwischen Arm und Reich ist mit der Corona-Epîdemie in unserem Land etwas größer geworden. Laut der entsprechenden Umfrage der Verbraucherschützer sind einige wenige Haushalte direkt und teilweise auch sehr heftig von der Coronakrise getroffen worden.

Test Aankoop analysierte die Kaufkraft und die Ausgaben der privaten Haushalte in Belgien anhand mehrerer Parameter: Wohnen, Mobilität, Zugang zu Pflege und Gesundheit, Lebensmittel, Schule und Bildung, sowie Kultur und Freizeit. Insgesamt ist die Kaufkraft, bzw. die Finanzierung von Ausgaben und Dienstleistungen 2020 in Belgien besser geworden.

Keine Probleme

Sie ist im Jahresvergleich mit 2019 um 2,3 Punkte auf 56,1 Punkte gestiegen. Dabei gilt es zu beachten, dass man sehr komfortabel bei über 57,1 Punkten lebt und große Probleme bei unter 33,1 Punkten erfährt.

Weniger Möglichkeiten, Geld auszugeben?

Gegenüber den Verbraucherschützern gab genau 50 % der Befragten an, 2020 keine Probleme bei der Finanzierung von Anschaffungen oder Dienstleistungen in Belgien gehabt zu haben. Das ist ein Anstieg um 5 % gegenüber 2019. Test Aankoop begründet dies aber auch mit der Tatsache, dass es zeitweise durch den ersten und den zweiten Lockdown weniger Möglichkeiten gab, Geld auszugeben und nicht zuletzt hätten verschiedene Formen von Corona-Kompensationen auch für Arbeiter für mehr Kaufkraft und Sicherheit gesorgt.

Nicht (mehr) rundkommen

Doch auf der anderen Seite gaben 3 % der Befragten an, dass sie keine Möglichkeit hatten (und noch haben), ihre Grundbedürfnisse zu finanzieren. Hier haben die beiden Lockdown-Phasen für krasse Einschnitte gesorgt, auch bei Personen, die weiter arbeiten konnten, z.B. bei Geringverdienern. Generell ist aber die Schere zwischen Arm und Reich gerade dort angesetzt, wo es um Arbeiten oder nicht arbeiten ging.

Krise verstärkt Ungleichheiten

Test Aankoop-Sprecherin Julie Frère sagte dazu: „Nach unserem Barometer sagen 71 % der Belgier, dass die Krise kleine Auswirkungen auf ihr Ein- und Auskommen hatte, doch 7 % erklärten, dass bis zu 25 % weniger Mittel zur Verfügung gehabt hätten. Das zeigt leider, dass die Krise die Ungleichheit verstärkt hat.“

Alleinerziehende sind Opfer der Krise

Die Verbraucherschützer unterstreichen, dass vor allem alleinerziehende Eltern mit minderjährigen Kindern finanziell schwer zu leiden hatten und haben. Stark Betroffen waren auch Familien und Haushalte, in denen ein Elternteil arbeitslose war oder im Zuge der Krise seinen Job verloren hatte. 

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