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Belgien impft vorerst weiter mit AstraZeneca - Druck auf die Krankenhäuser nimmt zu

Im belgischen Gesundheitswesen ist man der Ansicht, dass das Aussetzen von Corona-Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca zum jetzigen Zeitpunkt unverantwortlich sei. In Belgien steigen derzeit wieder die Ansteckungszahlen und der Druck auf die Krankenhäuser nimmt zu. Zum ersten Mal seit Dezember 2020 liegen hier mehr als 500 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Schon aus diesem Grunde könne man ein Aussetzen der Impfung mit einem bestimmten Mittel aufgrund von nicht bewiesenen Problemen nicht fordern, so Experten.

In mehreren Ländern wurde die Impfkampagne mit dem Impfstoff von AstraZeneca ausgesetzt, da einige Fälle von Blutgerinnseln und Thrombose bei Personen aufgetreten waren, die gerade mit diesem Vakzin geimpft worden waren. Doch ein kausaler Zusammenhang ist (noch) nicht belegt. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) untersucht die Vorgänge, wird aber vor Donnerstag keine Entscheidung vorlegen können, hieß es dazu am Montag.

Inzwischen will Belgien vorerst weiter mit AstraZeneca impfen. Bundesgesundheitsminister Frank Vandenbroucke (SP.A) sagte dazu, dass die aufgetretenen Fälle von Blutgerinnseln untersucht werden müssen, „doch jetzt beim Impfen eine Pause einzulegen, das wäre unverantwortlich. Wir stellen fest, dass die Leute in großer Zahl zu den Impfzentren kommen, weil sie sich schützen wollen und sie haben Recht. Wir sagen also, lassen Sie sich impfen.“

Jetzt beim Impfen eine Pause einzulegen, das wäre unverantwortlich.“

Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke

Einer der Hauptgründe für das Festhalten an der aktuellen Impfkampagne ist, dass in Belgien die Zahl der neuen Ansteckungen mit Corona und die Zahl der Intensivpatienten wieder ansteigt und zwar auf besorgniserregende Werte. Die Zahl der neuen Ansteckungen mit Covid-19 ist im Siebentage-Vergleich um 21 % angestiegen und zum ersten Mal seit Dezember 2020 liegen wieder mehr als 500 Corona-Patienten auf Intensivstationen in belgischen Krankenhäusern. Mancherorts müssen andere medizinische Eingriffe ausgesetzt oder verlegt werden. 

Ich mache mir Sorgen. Das ist ein wichtiger Moment, in dieser Epidemie die heutigen Maßnahmen gut einzuhalten!“

Marc Van Ranst, Virologe

Nach Ansicht des Virologen Marc Van Ranst von der Uni Löwen (KU Leuven) liegt dies auch am schnellen Vormarsch der britischen Corona-Variante: „Die Corona-Zahlen entwickeln sich nach 16 Wochen Stabilität, wenn auch auf hohem Niveau, nicht gut. Das ist fast vollständig auf die britische Variante zurückzuführen. Ich mache mir Sorgen. Das ist ein wichtiger Moment, in dieser Epidemie den heutigen Maßnahmen gut zu folgen!“

Geert Meyfroidt, Intensivarzt an der Universitätsklinik in Löwen (UZ Leuven), ist besorgt: „Bei den bisherigen Corona-Wellen war der Anstieg auf den Intensivstationen stets proportional zu den Ansteckungen und zu den Hospitalisierungen. Heute sehen wir zum ersten Mal einen überproportionalen Anstieg. (…) Die britische Variante ist sowieso dominant geworden. Die ist ansteckender, doch wir haben keine Hinweise darauf, dass sie die Menschen kranker macht. Die brasilianische und die südafrikanische Variante kommt hier nicht so oft vor, dass man eine solche Entwicklung damit erklären könnte.“ 

Wir sehen eine anhaltend steigende Zahl von Ansteckungen in allen Provinzen und bei allen Altersklassen. Das Virus ist deutlich stärker in Umlauf.“

Virologe Steven Van Gucht

Der Virologe und Leiter des staatlichen wissenschaftlichen Gesundheitsamtes Sciensano, Steven Van Gucht, geht davon aus, dass es in Belgien bis Ende dieser Woche zu 3.000 neuen Ansteckungen mit Corona pro Tag kommen wird: „Wir sehen eine anhaltend steigende Zahl von Ansteckungen in allen Provinzen und bei allen Altersklassen. Das Virus ist deutlich stärker in Umlauf.“

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