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Belgische Eltern sind erschöpft: 1 Elternteil von 12 leidet unter Erschöpfung

Eltern sind erschöpft von der Sorge um die Kinder und ihren Erziehungsaufgaben. Wenn die Elternschaft eher zur Last als zur Freude wird, geht etwas schief.  In Corona-Zeiten mehr als sonst. Das hat eine europäische Studie ans Licht gebracht, an der die Universitäten von Gent und Leuven mitgearbeitet haben. Belgische Eltern mit einem Burn-out geraten sogar in die Top 3 im europäischen Vergleich

Ein “elterlicher Burn-out" unterscheidet sich nicht wesentlich von einer klassischen Erschöpfung durch zu viel Stress im Beruf und einer schwierigen Balance zwischen Arbeit und Privatleben.  Sind die Eltern ausgezählt, liegt es meistens an der Sorge um die Kinder. 

Hauptsymptome für einen elterlichen Burn-out sind Erschöpfung, Reizbarkeit, Unlust am Elternsein: “Man tut nur noch das Nötigste, das Praktische mit seinen Kindern, hat aber nicht mehr die Energie, um emotional in seine Kinder zu investieren", sagt Bart Soenens, Professor an der Universität Gent und Forscher. Am Anfang sind es kleinere Vernachlässigungen, wie z. B. Hausaufgaben nicht kontrollieren, Regeln nicht durchzusetzen oder nicht mehr kochen. Die Forscher untersuchten das elterliche Burn-out in 42 Ländern bei mehr als 17.000 Eltern. 

Hauptsächlich Mütter

Sie kamen u. a. zu dem Schluss, dass zwei Drittel der Elternteile mit Burn-out Mütter sind.  Mütter übernehmen immer noch etwa 65 bis 70 Prozent der Aufgaben in der Familie. Auf der anderen Seite sind Väter oft weniger gut auf die Elternrolle vorbereitet und kostet es sie mehr Energie. 

Auffallend war, dass westliche Länder mit einer stark individualistischen Kultur viel anfälliger für elterliches Burn-out sind. Das afrikanische Sprichwort "Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen" ist daher richtig, denn in Ländern mit einer weniger individualistischen Kultur ist elterlicher Burn-out viel seltener.

Bart Soenens: “In unseren Ländern ist die Erziehung eine persönlichere Aufgabe der Eltern. Läuft es nicht so gut auf dem Gebiet, wird das vielleicht eher als persönliches Versagen erlebt." 

Moira Mikolajczak, Forscherin an der  UCLouvain: "In nicht-westlichen Ländern haben die Eltern viel mehr Unterstützung von allen möglichen Leuten, die die Kinder oft übernehmen. Das schützt stark vor elterlichem Burn-out.” 

Die Anzahl der Kinder, das Alter der Kinder, die finanzielle Situation und andere offensichtliche Faktoren spielen eine viel kleinere Rolle als der kulturelle Kontext. 

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