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In diesem Jahr wäre der flämische Maler Roger Raveel 100 Jahre alt geworden

Roger Raveel (Foto), wohl einer der wichtigsten Nachkriegskünstler im belgischen Bundesland Flandern, ist Ende Januar 2013 in einem Krankenhaus in Deinze im Alter von 91 Jahren gestorben. Raveel, dessen Schaffen sowohl abstrakte, als auch figurative Werke umfasst, nahm 1968 an der dokumenta 4 in Kassel teil. In diesem Jahr wäre er 100 Jahre alt geworden. Das wird mit einigen Ausstellungen in Flandern und Brüssel in diesem Jahr groß gefeiert. 

Roger Raveel kam am 15. Juli 1921 in Machelen bei Deinze zur Welt. Er starb auch in seiner Heimatstadt und zwar am 30. Januar 2013. Der Maler lebte und arbeitete zeitlebens in dieser Region. Raveel studierte zuerst an der Kunstakademie in Deinze und rundete seine Ausbildung während des Zweiten Weltkriegs an der Königlichen Akademie für Schöne Künste in Gent ab. Raveel gründete 1948 gemeinsam mit Jan Brussems, Kamiel D’haben und Pierre Vlerick die Künstlergruppe La Relève.

Neue technische Entwicklungen boten Raveel einen neuen Blick auf die Wirklichkeit und beeinflussten ihn in seinem Schaffen. Als Maler und Vertreter der so genannten "Neuen Figuration“ wurde er zu einem der wichtigsten Künstler der Nachkriegszeit in Belgien. In seinem Schaffen verband er stets abstrakte und figurative Malerei. 

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"Mann mit Eisendraht im Garten"

Raveel inspirierte sich nicht nur an den Themen, die ihm der Fortschritt bot. Er bearbeitete in seinen Bildern auch Einflüsse und Dinge des täglichen Lebens, wie im Bild "Mann mit Eisendraht im Garten" (Foto oben) zu sehen ist. Das konnten ebenso gut die Leute aus seiner Heimatstadt sein aber auch einfache Dinge, wie Quadrate, Spiegel oder Vögel. Auffälligstes Werk ist hier wohl "Neerhof mit lebender Taube“ aus dem Jahr 1962, in dem eine Taube in einem Käfig Teil eines Gemäldes war. Raveel schuf aber auch ein ähnliches Werk mit Kanarienvögeln. 

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Roger Raveel, Het verschrikkelijke mooie leven, 1965, Unibreda nv © Raveel – MDM
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Markante Eckpunkte seines Schaffens

Erst 1960 bot ihm das Festpalais in Ostende die Möglichkeit, seine erste Einzelausstellung zu gestalten. 1968 war Raveel mit fünf Bildern bei der dokumenta 4 in Kassel vertreten. Im Laufe der Jahre wurde Roger Raveel mit vielen bedeutenden Preisen und Auszeichnungen in Belgien versehen. So erhielt er den belgischen Kronenorden, den Leopoldorden und auch die Ehrenmünze des belgischen Bundeslandes Flandern.

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Das Raveel-Kunstwerk in der Metro-Station Merode in Brüssel

Mag die Teilnahme an der dokumenta 4 in Kassel international ein bedeutender Schritt gewesen sein, so sind einige Eckpunkte in seinem Schaffen im Heimatland für Raveel deutlich wichtiger gewesen. 1977 fertigte er Fresken für die Brüsseler Metrostation Mérode (Foto oben) an und ein weiterer Höhepunkt war die Eröffnung eines Museums in Machelen, dass ausschließlich seinem Schaffen gewidmet ist. Dieses Museum wurde durch die Stiftung ermöglicht, die seinen Namen trägt.

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Roger Raveel, Gele man met karretje, 1952, Collectie Vlaamse Gemeenschap/Roger Raveel Museum © Raveel – MDM.

2003 bemalt Roger Raveel eine vollständige Straßenbahn der Küstentram im Rahmen des Kunstfestivals "Beaufort 2003" und 2006 würdigt ihn die Stadt Ostende mit der Retrospektive "Der Maler spricht". Dabei wurde sein plastisches Werk mit dem anderer zeitgenössischer Künstler kontrastiert und auch die Literatur des Dichters Hugo Claus fand ihren Platz darin. Raveel und Claus unterhielten viele Jahre lang eine kreative Korrespondenz, die für das Schaffen beider Künstler immens wichtig war. Noch heute ist Raveels Installation "Konfrontation“ im Koningspark von Ostende zu sehen.

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Roger Raveel, Karretje om de hemel te vervoeren, 1968, Collectie Vlaamse Gemeenschap/Roger Raveel Museum © Raveel – MDM.

2009 kommt es in Roger Raveels Leben zu einem Tiefpunkt, als seine Ehefrau und ewige Muse Zulma stirbt. Anfang 2010 stellt er in seinem eigenen Museum eine Reihe Kunstwerke vor, in denen Zulma eine Schlüsselrolle spielte. Anfang 2011 findet er in der 50 Jahre alten Marleen Muer eine neue Muse, was ihm teilweise in den Medien übel genommen wurde.

Mit Roger Raveel wäre ein Künstler 100 Jahre alt geworden, der die Kunst und Malerei im Belgien der Nachkriegszeit wie kaum ein anderer geprägt hat. Zu dessen 100. Geburtstag bietet das Raveel-Jahr die Möglichkeit, sein Werk neu oder wieder zu entdecken. Informationen bietet auch die Webseite des Roger Raveel-Museums in Machelen.

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Zahlreiche Ausstellungen und Events werden dieses Jahr zu Ehren Roger Raveels in Brüssel und Flandern zu erleben sein. Seit dem vergangenen Wochenende läuft eine Ausstellung im Mudel-Museum in seiner Heimatstadt Deinze und der Brüsseler Kulturpalast Bozar zeigt ab sofort eine umfassende Retrospektive seines Werks. Mit dieser Brüsseler Ausstellung erhoffen sich die Kuratoren zumindest eine posthume internationale Anerkennung. Ab Ende März ist natürlich auch eine Bilderschau im eigenen Roger Raveel-Museum in Machelen zu sehen. Raveel war nicht nur ein Maler, sondern er entwarf auch Projekte völlig anderer Art, wie z.B. das Gebäude des Hafenlotsenwesens in Ostende und das Farbdesign für ein kleines Hafenfährboot. In Machelen schuf er die Kapelle "Mariahilf der Christen" (Fotos unten). 

Das Gebäude des Hafenlotsenwesens in Ostende
Die Raveel-Fähre
Kapelle "Mariahilf der Christen"

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