Andreas Kockartz

Nach der coronabedingten Schließung: Das Jüdische Museum in Brüssel ist wieder geöffnet

Seit dem 16. März ist das Jüdische Museum in Brüssel wieder geöffnet. Derzeit präsentiert das Museum gleich fünf Ausstellungen. Damit ermöglicht das Haus auch einen Blick auf Ausstellungen, die während des Lockdowns nicht zu sehen waren und das Museum lässt einmal mehr in seine reichhaltige Sammlung schauen. 

Kurt Lewy: "Towards Abstractions"

Der Maler, Illustrator und Emailleur Kurt Lewy (1898-1963), ist heute fast in Vergessenheit geraten. Der in Essen geborene Folkwang-Dozent flüchtete vor den Nazis nach Belgien, wo er mit Mühen und nach mehreren Verhaftungen Krieg und Holocaust überlebte. Das Jüdische Museum in Brüssel widmete Lewy eine umfassende Ausstellung mit Werken aus der eigenen Sammlung, der Antwerpener Galerie Callewaert Vanlangendonck und aus Privatsammlungen, die teilweise jetzt wieder zu sehen ist. Lewy ist ein typischer Vertreter der Kunst im 20. Jahrhundert und begann im Figurativen, um im Abstrakten zu landen. Das Museum zeigt diese Werkschau in ihren neuen Ausstellungsräumen, die gerade eröffnet wurden, noch bis zum 14. April.

Assaf Shoshan: "Home"

Shoshan ist eigentlich studierter Philosoph, doch im Laufe der Zeit widmete er sich stets mehr der Fotografie. Heute beschäftigt er sich bei seinen nicht enden wollenden Reisen fotografisch und dokumentarisch mit Themen, wie Territorium, Identität und Zusammengehörigkeit und dies genauer über alle greifbaren Grenzen hinweg. Dabei fällt seine Aufmerksamkeit immer deutlicher auf die Entwurzelung, auf die Flucht und bietet damit einen sehr subtilen und auch delikaten Blick auf eine ziellos umherwandernde Menschheit. „Home“ ist noch bis zum 25. April zu sehen.

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(c) Assaf Shoshan/mjb-jmb

"Traditionen" und "Der Andere bin ich"

Anhand einer Auswahl besonders typischer Stücke aus der eigenen Sammlung zeigt das Jüdische Museum in Brüssel die traditionellen Riten und Feiern der jüdischen Gemeinschaft über ein Jahr hinweg. Ergänzt wird dies mit einer Ausstellung, die sich mit dem Thema Identität befasst. „Der Andere bin ich“ beschäftigt sich mit Fragen zur Gesellschaft und zum Zusammenleben der moslemischen und der jüdischen Gemeinschaft in Marokko. Diese besondere Ausstellung kann auch als Ergänzung zu „Home“ von Assaf Shoshan gesehen werden. Beide Ausstellungen gehören vorerst zur Dauerausstellung.

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(c) mjb-jmb "Der andere bin ich"

Jüdische Künstler in Belgien

Die jüdischen Künstler sind Teil der Geschichte Brüssels und Belgiens aber auch der Geschichte der Juden in Europa. Jeder der Künstler, dessen Werke das Jüdische Museum von Brüssel hier zeigt, steht für ein Schicksal, für ein Los oder für eine bestimmte Erfahrung als Mensch und als Jude in der (Kunst)Geschichte. Besonderes Beispiel ist hier zweifellos Stéphane Mandelbaum. Mandelbaum kam 1961 In Brüssel als Sohn eines jüdischen Vaters und einer armenischen Mutter zur Welt. Schon 1987 verstarb dieses künstlerische Wunderkind und Naturtalent und zwar unter dramatischen Umständen. Er wurde nach mutmaßlicher Beteiligung an einem Kunstdiebstahl in Namür erschossen, vermutlich von Mittätern.

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Stéphane Mandelbaum „Composition“ 1980

Schon früh zeichnet sich ab, dass Mandelbaum Talent hatte und schon in jungen Jahren zeichnet und malt er ohne Unterlass. So hinterließ er ein beeindruckendes und umfassendes Werk quasi ohne jegliche Möglichkeit, dieses stilgerecht einzuordnen. Viele seiner Bilder zeigen Künstler, die eine dunkle Seite in ihrem Werk hinterließen, wie z.B. Rimbaud, Bacon oder Pasolini. Doch er malte und zeichnete auch Nazigrößen, wie Goebbels oder Ernst Röhm. Im Laufe seines kurzen aber intensiven Lebens verlor sich Stéphane Mandelbaum aber auch in frivolen Kreisen zwischen Kriminellen und Prostituierten, zwischen Boxern und anderem lichtscheuem Gesindel. Dass er dabei Boden und Halt verlor und auch nicht mehr zwischen Fiktion und Realität unterscheiden konnte, zeigt sich ebenfalls eindrucksvoll in zahlreichen Bildern. Auch diese Ausstellung gehört aktuell zur permanenten Ausstellung des Hauses. 

Jüdisches Museum Brüssel, Minimestraat/rue des Minimes 21, 1000 Brüssel (unweit von Justizpalast und Zavel/Sablon). Info: www.mjb-jmb.be 

(c) mjb-jmb

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