Fünf Jahre nach den Anschlägen in Brüssel wird der Extremismus wieder stärker

Auch 5 Jahre nach den Terroranschlägen auf den Flughafen in Zaventem und die Metrostation Maalbeek ist die Gefahr vor extremistischen Islamisten noch nicht gewichen. Aktuell beobachten die belgischen Sicherheitsdienste 641 Dschihadisten. Doch droht in Belgien auch zunehmend Gefahr von rechts, den auch hier nimmt der Extremismus zu.

Nur kurz nach den verheerenden Anschlägen vom 22. März 2016 in Brüssel übernahm die islamistische Terrororganisation IS die Verantwortung. Und heute, 5 Jahre danach, ist diese Gefahr auch in unserem Land noch nicht gewichen. Von den 641 Dschihadisten, die im Fadenkreuz der belgischen Sicherheitsdienste stehen, sind knapp 500 sogenannte „Foreign Terrorist Fighters“, islamistische Fanatiker aus Belgien, die sich im Irak und in Syrien der IS oder anderen radikal-islamistischen Bewegungen angeschlossen haben.

Rund ein Drittel dieser Verdächtigen ist inzwischen nach Belgien zurückgekehrt, aber die Behörden gehen davon aus, dass noch rund 290 von ihnen irgendwo in einem der Konfliktregionen sitzen. Davon allerdings gelten 165 als tot, doch es hat sich in der Vergangenheit auch schonmal ergeben, dass der IS vorgetäuscht hat, dass der eine oder andere auch aus Belgien stammende Terrorist „im Kampf gefallen ist.“

Die Gefahr ist gebannt aber nicht gewichen

Einige von denen, die noch am Leben sind - von etwa 40 Männern und Frauen ist hier die Rede - sind irgendwo in Gefangenenlagern im Norden von Syrien oder im Irak. Doch von 85 islamistischen Terroristen, die zumindest eine Verbindung zu Belgien haben, fehlt jede Spur. Einige davon wiederum sollen noch in bewaffneten Gruppen aktiv sein, andere jedoch scheinen sich irgendwo dort niedergelassen zu haben, mit dem Ziel, dort zu leben.

Nach Ansicht des OCAD, das belgische Koordinationsorgan für Bedrohungsanalyse, geht die Gefahr von islamistischem Terror in unserem Land seit etwa 2014-2015 zurück, doch verschwunden sei sie nicht. Der IS habe es nicht geschafft, einen islamistischen Staat zu gründen, weshalb die Anziehungskraft verloren gegangen sei. Doch noch immer sorgen Hassprediger mit ihrer Propaganda dafür, dass auch in Belgien diese radikal-islamistische Ideologie noch Einfluss auf junge Leute hat. Dies würden Anschläge in Frankreich, Österreich und Großbritannien beweisen, wie aus OCAD-Kreisen verlautet.

Gefahr von Rechtsextremismus

Das OCAD warnt in den letzten Jahren auch vermehrt vor rechtsextremen Entwicklungen, denn „die Polarisierung in der Gesellschaft nimmt zu.“ Die islamistischen Anschläge in Europa, die Wirtschafts- und Coronakrise, sowie die Einwanderungswelle aus den Jahren 2015 und 2016 haben für einen Rechtsruck auch in Belgien gesorgt, so die Analyse.

Um die rechts- und auch linksextremen Profile im Zaum zu halten, werden auch hier zahlreiche Personen und Bewegungen von den Sicherheitsorganen in Belgien genau beobachtet. Sicher ist, dass sich Rechtsextreme inzwischen auch bewaffnet haben und dass sie an Kampfsportübungen und Ausbildungen an der Waffe trainiert werden. Doch hier drohe die Gefahr eher von einzelnen Personen, von Fanatikern, die sich in ihren eigenen vier Wänden radikalisiert haben, die sich Waffen besorgt haben und wohl auch damit umgehen können. 

Allerdings stellen auch die Sicherheitseinheiten, die islamistische Gefährder beobachten, ebenfalls immer häufiger fest, dass sich solche "einsamen Wölfe" im Internet selbst radikalisieren und Anschläge planen könnten.

Inzwischen habe sich aber die Rechtslage in Belgien geändert und schon die Teilnahme an terroristischen Ausbildungen steht unter Strafe, so die allgemeine Aussage von Beobachtern. Was aber erschwerend hinzukomme, sei die Tatsache, dass sich radikale Islamisten sowie Rechts- und Linksradikale gegenseitig aufhetzen. Zudem unterwandern immer öfter auch linke und autonome Anarchisten legitime und legale Proteste in unserem Land und richten sich dabei gegen den Staat und als dessen Vertreter primär gegen die Polizei, was wiederum Rechtsradikale auf den Plan ruft… 

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