Gegen Corona: "Am Wochenende und in den Ferien im Zug nur Fensterplätze einnehmen" - Wie soll das gehen?

Die belgische Bundesregierung und der Corona-Konzertierungsausschuss haben am Freitag bei ihren Anpassungen an die geltenden Corona-Maßnahmen auch beschlossen, eine neue Regelung für Bahnreisende zu erlassen. Am Wochenende und in den Ferien sollen die Fahrgäste im Zug nur Fensterplätze einnehmen, wenn sie zu „touristischen Zielen“ fahren. Doch wie soll dies praktisch aussehen? Darüber wird gerade in Belgien heftig diskutiert.

Die Umsetzung dieser Maßnahme, die am 3. April (der erste Tag der Osterferien in Belgien) in Kraft treten soll, muss noch erfolgen und die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB kündigte umgehend an, dies praktisch in die Wege zu leiten: „Es ist logisch, dass die Sicherheit der Bahnreisenden vornan steht.“ Es bleibe das Ziel, dass sich die Bürger in aller Freiheit innerhalb der Landesgrenzen bewegen dürfen, verlautete dazu aus dem Bundesverkehrsministerium in Brüssel.

Beschlossen wurde, dass am Wochenende und in den Ferien im Zug nur Fensterplätze eingenommen werden dürfen und dies insbesondere in Zügen, die zu „touristischen Zielen“ fahren. Ausgenommen von dieser Regelung sind Kinder unter 12 Jahren. Doch das wirft viele Fragen auf. Was gilt als „touristisches Ziel“? Sicher ist, dass die belgische Nordseeküste dazu gehört, doch nicht jeder, der einen Zug in Richtung Ostende, Blankenberge oder Knokke nimmt, fährt auch dort hin und nicht jeder Bahnreisende ist ein Tagesausflügler…

Gegenüber oder besser schräg gegenüber sitzen?

Ein weiteres Problem, eher virologischer Natur, führt Stefan Stynen vom belgischen Fahrgastverband ZugTramBus an. Er hält diese Maßnahme aus medizinischen Gründen nicht für logisch: „Eigentlich ist es besser, dass wenn jemand am Fenster sitzt, sich dessen Gegenüber eher auf dem Gangsitzt setzt. Dann sitzt man weiter voneinander entfernt, als wenn man einander gegenüber am Fesnter sitzt.“

Und das größte Problem ist auch das entsprechende Platzangebot in den Zügen, wie auch Stynen findet: „Was macht eine vierköpfige Familie mit Kindern, die älter als 12 Jahre sind? Müssen die sich dann auf zwei Vierersitzen setzen?“ Dass das Platzangebot in den Zügen nicht reichen wird, zeigte sich bereits am Samstagvormittag, als „normal“ volle Züge unterwegs waren (Foto unten).

Keine Reservierungen - Informationen über Bahn-Apps

Von Reservierungen will die Bahn nichts wissen. Sie rät aber dazu, dass man sich auf einer neuen App, die die Belegung der Züge monitort, im Vorfeld informieren soll, welcher Zug noch freie Sitzplätze hat und welchen Zug man wegen Überbelegung nicht in Betracht ziehen soll. Ab dem 1. April soll diese App in den Zügen zwischen Eupen und Ostende getestet werden.

Für Bahnreisende und für die Fahrgastverbände ist dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt, denn zu viele Punkte seien ungeklärt und auch nicht zu klären. Die Bürgermeister der Küstenbadeorte freuen sich, dass die Bahn eine Regelung trifft, damit sich in diesen Coronazeiten nicht zu viele Menschen in den Zügen und an den Strandpromenaden drängen. Carl Decaluwé, der Gouverneur der Provinz Westflandern, zu der die gesamte Nordseeküste gehört, deutete allerdings schon an, Bahnhöfe schließen zu lassen, falls sich zu große Menschenmassen in Richtung Küste begeben. Und er will nicht erst bis Ostern warten… 

Schon an diesem Samstag zeigte sich, dass die Züge in Richtung Küste zu voll sind, als dass sich die Idee, nur die Fensterplätze zu belegen, umsetzen ließe

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