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Nicht weit genug? Kritik an der Aktualisierung der Corona-Maßnahmen in Belgien

Angesichts der rasch ansteigenden Zahlen der Corona-Infizierungen und der Aufnahme von Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern in Belgien sah sich Premierminister Alexander De Croo (Open VLD) am Freitag dazu gezwungen, den Konzertierungsausschuss aus Bund, Ländern und Regionen eine Woche früher (virtuell) zusammenzurufen. Doch die dabei beschlossenen Anpassungen an die geltenden Maßnahmen reichen Fachleuten und Betroffenen nicht aus. 

Virologen, Experten aus dem Pflegesektor und aus dem Schulwesen sowie auch politische Kreise sind der Ansicht, dass die am Freitag beschlossenen Anpassungen an die geltenden Corona-Maßnahmen (siehe nebenstehenden Beitrag) nicht ausreichen, um die aktuell weiter rasch steigenden Werte in den Griff zu bekommen.

Margot Cloet vom flämischen Pflegenetzwerk Zorgnet-Icuro z.B. zeigte sich noch am Freitagabend gegenüber VRT NWS frustriert: „Kann mal jemand erklären, wie wir mit diesen Nicht-Beschlüssen von heute die Kurve und die Situation in den Krankenhäusern umbiegen können? Inzwischen sehen wir, dass die Krankenhausaufnahmen von Covid-Patienten alarmierend zunehmen. Das bedeutet, dass die gesamte Pflege, sowohl für Corona-Patienten, als auch für die anderen Patienten, in Bedrängnis gerät. Wir befürchten, dass die Zahl der Krankenhausaufnahmen noch weiter steigen muss, bis man drastisch eingreifen wird.“

Ähnlich reagierten auch die Virologen Marc Van Ranst (KU Leuven) und Steven Van Gucht (Sciensano). Van Ranst sagte, dass die Beschlüsse angesichts der aktuellen Entwicklung nicht reichen: „Es wurden sehr wenig Maßnahmen ergriffen, die einen besonderen Impakt auf die drohende Erhöhung der Epidemie haben. Das ist eine verpasste Chance. Niemand weiß, welchen Weg die Kurven in den kommenden Tagen und Wochen einschlagen werden.“

Van Gucht ergänzte: „Das sind Maßnahmen für die Osterferien, während die Ansteckungen jetzt stattfinden und gerade das würden wir gerne abgebremst sehen.“ Beide Virologen sind der Meinung, dass wir derzeit eine ähnliche Entwicklung sehen, wie zu Beginn der zweiten Corona-Welle im Oktober 2020.

Inzwischen fordern z.B. die flämischen Grünen von Groen, dass man vielleicht wieder dazu übergehen sollte, die Schulen wieder zu schließen, denn gerade hier werden die meisten neuen Corona-Fälle gemeldet und die Zahl der erkrankten Kinder steigt schnell. Tatsache ist auch, dass gerade in diesem Bereich (Lehrkräfte und Schulkinder) bisher noch fast niemand gegen Corona geimpft worden ist.

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