Annelies Verlinden (CD&V): Innenministerin

Corona-Regeln und Schule: "Wir zögern nicht, wenn nötig zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen"

Belgiens Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V - Foto) reagierte am Sonntag gegenüber VRT NWS auf die Kritik an den zu wenig durchgreifenden Anpassungen an den Corona-Maßnahmen angesichts der wieder steigenden Zahlen. Aber, auch sie hält am Plan fest, nach den Osterferien alle Schulen wieder zu öffnen. Die Virologin Erika Vlieghe bedauert, dass sich der Konzertierungsausschuss am Freitag so sehr auf die Schulen konzentriert hat und den anderen gesellschaftlichen Bereichen zu wenig Aufmerksamkeit widmete.

Innenministerin Verlinden sagte dazu, dass sie an der Seite derer stehe, die die Schulen ab dem 19. April wieder öffnen wollen: „Es ehrt die Unterrichtsminister in den Ländern und Regionen, dass sie alles daran setzen, die Schulen geöffnet zu lassen.“ 

Für das Ziel, alle Schulen in Belgien ab dem 19. April, also nach den Osterferien, wieder zu öffnen, brauche es aber weitere Maßnahmen: „Wir haben die Bildungsminister darum gebeten, dem Konzertierungsausschuss Vorschläge zu machen. Wenn wir sehen, dass das gesamte Paket weitere Maßnahmen erfordert, werden wir nicht zögern, diese zu ergreifen.“

Das umfasst auch eine mögliche „Abkühlungswoche“ direkt vor den Osterferien. Von der Forderung von Flanderns Bildungsminister Ben Weyts (N-VA), alle Lehrpersonen prioritär gegen Corona zu impfen, hält Verlinden wenig: „Das Problem ist nuancierter.“ Man könne mit der Impfung der Lehrkräfte nicht vermeiden, dass Kinder zuhause ihre Eltern oder Großeltern infizieren würden… 

"Ich bin enttäuscht und beunruhigt"

Erika Vlieghe (Foto unten), Virologin und Leiterin des Corona-Beratungsgremiums GEMS, das die belgische Regierung in Sachen Exitstrategie berät, erinnerte am Sonntagmittag in der VRT-Sendung „De zevende dag“ („Der siebte Tag“) noch einmal daran, dass sich die Covid-Werte nicht in eine positive Richtung entwickeln und deshalb bedauert sie, dass der Konzertierungsausschuss aus Bund, Ländern und Regionen am Freitag so wenig durchgreifende Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Virus beschlossen haben.

„Ich kann nicht verbergen, dass ich enttäuscht und beunruhigt bin. Das ist ein typischer Moment: Als Beratergruppe geben wir Rat, politische Beschlüsse sind politische Beschlüsse. Wir müssen schauen, wo das Virus sitzt: Überall! In Schulen, aber auch am Arbeitsplatz und in unserem Privatleben. Da habe ich wenig zu gehört. Auch in den anderen Bereichen müssen viel deutlichere Schritte gesetzt werden“, so die Virologin.  

Vliege bedauerte, dass man sich am Freitag fast nur mit dem Schulwesen befasst habe, auch wenn dies ein sensibler Bereich sei: „Es geht dabei nicht nur um Heimarbeit, sondern z.B. auch um Sicherheit am Arbeitsplatz. (…) Doch man muss auch den anderen Bereichen mehr Aufmerksamkeit widmen: Familie, Privatleben, Kontaktberufe…“

Erika Vlieghe in "De zevende dag"

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