Fünf Jahre nach den Anschlägen auf Brüssel: Wie steht es um die Sicherheit in der Hauptstadt?

Inzwischen verfügt die belgische Hauptstadt Brüssel über ein ultramodernes Krisenzentrum. Aus dem Krisenzentrum heraus kann Brüssel rund um die Uhr und umfassend beobachtet und kontrolliert werden, denn in den Jahren nach den Anschlägen wurde das Netz der Überwachungskameras erheblich ausgeweitet und verdichtet. Und, Polizei und Sicherheitskräfte können bei Vorfällen Maßnahmen ergreifen, die von einer einzigen Stelle aus koordiniert werden.

Diese Koordinierungsstelle ist das neue Krisenzentrum der Sicherheitsbehörde „Brüssel Prävention und Sicherheit“ (BPV/BPS). Wo sich dieses Zentrum befindet, bleibt geheim. Eigentlich sollte dieses hochsensible Krisenzentrum bereits 2019 in Betrieb genommen werden, doch die Arbeiten nahmen deutlich mehr Zeit in Anspruch, als geplant. Seit Weihnachten 2020 können von hier aus kleine und große Vorfälle, Krisen, Katastrophen und anderes gemanagt werden.

Nur kurze Telefongespräche mit dem Bundesinnenminister, mit dem Brüsseler Ministerpräsident, mit den Bürgermeistern der 19 Brüsseler Gemeinden und Stadtteile, mit den zuständigen hohen Beamten und mit den Korpschefs der Polizeizonen und der Polizeizentrale reichen aus, um in Aktion zu treten. Das kann vieles sein: Evakuierungen von ganzen Stadtteilen, strategische Entscheidungen über die Vorgehensweise bei Problemen, koordinierte Suche nach Entführungen oder schwerer Kriminalität u.a.m.  

Hier laufen alle Fäden zusammen

Die Fäden laufen an zwei Stellen in einem Raum zusammen: Am „Kommandoposten Operationen“, ein Raum voller Computer sowie an einer ganzen Wand voller Bildschirme, über die das Tun und Lassen von ganz Brüssel aus der Sicht von zeitgleich 300 Kameras zu verfolgen ist. Von hier aus werden z.B. bei einer Evakuierung Verbindungsoffiziere geleitet, die sich mit allen anderen betroffenen Behörden zusammentun, z.B. mit der regionalen Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB, die die Busse, die Straßenbahnen und die Brüsseler Metro betreibt. Die komplette Anlage hat 15 Mio. € gekostet und bietet knapp 100 Mitarbeitern Platz. Und Stromgeneratoren können das Zentrum tagelang in Betrieb halten und auch die Server kühlen.

(Lesen Sie bitte unter dem Foto weiter)

Das Brüsseler Krisenzentrum, das seinesgleichen in Europa sucht, entstand nach den Anschlägen vom 22. März 2016 auf Druck der Politik und auf Empfehlung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der die Anschläge aufarbeitete. Hier war deutlich der Wunsch nach einem Koordinierungszentrum geäußert worden, nach einem Zentrum, in dem alle Fäden zusammenlaufen und von dem aus alles zentral gesteuert wird. Dies sollte auf Krisen jedweder eine kohärente Antwort folgen lassen. Eine einzige verantwortliche Kommandostelle sollte es sein und ist es geworden.

Schnelle Analyse und kurze Wege

Neben dieser Kommandozentrale und dem engen Netz von rund 1.500 Überwachungs- und 350 speziellen ANPR-Kameras (die z.B. Autokennzeichen lesen und speichern können) sowie rund 8.000 Kameras auf dem Netz der regionalen Verkehrsgesellschaft MIVB/STIB setzt diese Struktur aber auch auf den Einsatz von Drohnen und auf ein Computersystem, mit dem Videobilder aus all den Kameras superschnell analysiert werden können. Innerhalb von nur einer Minute können 4 Stunden Bildmaterial kontrolliert werden, was die Suche nach möglichen Zielen und Absichten von Verdächtigen gehörig erleichtert.

In Kürze zieht ein weiteres Zentrum, das allgemeine Notrufzentrum der Brüsseler Polizeizonen, der belgischen Bundespolizei und der Hilfsdienste, die mit der Notrufnummer 112 arbeiten, in die Nähe des neuen Krisenzentrums…. 

Am 22. März 2016 (Foto: Flughafen Zaventem) fehlte es an einer koordinierten Vorgehensweise an allen Stellen

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