Die Bindungsminister(innen) Caroline Désir, Ben Weyts und Lydia Klinkenberg (vlnr.)

Schulen und Corona: Schon bei einem positiven Test sollen Klassen geschlossen werden

Die Bildungsminister aus den Regionen in Belgien haben auf Wunsch der Bundesregierung und des Konzertierungsausschusses eine Vorgehensweise ausgearbeitet, wie in den Schulen mit Corona-Ansteckungen von Lehrpersonen oder Schulkindern vorgegangen werden kann. Während der Ausschuss am vergangenen Freitag entschied, dass die Kinder in den 5. und 6. Grundschuljahren ab diesem Mittwoch eine Maske im Unterricht tragen müssen, legten die Bildungsminister weitere Vorschläge auf den Tisch.

Am Sonntagabend hieß es im Kreise der Bildungsminister aus Flandern, der Wallonie und aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft (DG), dass das Ziel bleibt, die Schulen trotz steigender Corona-Zahlen, so lange wie möglich offen zu lassen. Sie begründen dies mit der Feststellung, dass Homeschooling kein wirklicher Ersatz für Präsenzunterricht sei und dass man bei den Schulkindern psychologischen und sozialen Problemen vorbeugen wolle.

Die Vorschläge der Bildungsminister sehen vor, dass eine Klasse schon bei nur einem positiven Corona-Fall geschlossen wird und dass daraufhin sowohl die entsprechende Lehrperson, als auch alle Schulkinder in Quarantäne geschickt werden. Weiter sollen außerschulische Aktivitäten auf ein absolutes Minimum begrenzt werden. Zudem will man vermeiden, dass sich auf dem Schulgelände zu viele unterschiedliche Gruppen treffen und mischen, was auch dazu führt, dass der Zugang Dritter zu den Schulen weitgehend eingeschränkt und vermieden werden soll.

Eine sogenannte „Abkühlungswoche“ vor den Osterferien in Belgien, wie einige Politiker und Experten forderten, wird es nicht geben und eine genaue Vorgehensweise für die Zeit nach den Ferien ist auch noch nicht klar umrissen worden. Die Bildungsminister hoffen, dass es dann wieder zu Präsenzunterricht in allen Unterrichtsstufen kommen kann, doch das hängt mit der Entwicklung des Corona-Infektionsgeschehens und mit der Impfstrategie zusammen. 

Allerdings glauben nicht viele Schulen, dass diese Vorgehensweise machbar ist. Schulleiter kritisieren, dass dies das Gegenteil von dem bringe, was eigentlich gedacht sei, nämlich die Infizierungszahlen in den Schulen zu verringern. Eine Schule in Brügge kündigte am Montag an, bis Ostern auf Fernunterricht umzuschalten und führt damit auf eigene Verantwortung die offiziell nicht genutzte Idee der "Abkühlungswoche" vor den Ferien ein. 

Impfung des Schulpersonals gefordert

An der Pressekonferenz der Bildungsminister (aus Flandern Ben Weyts (N-VA), aus der Wallonie Caroline Désir (PS) und aus der DG Lydia Klinkenberg (ProDG)) nahm am Sonntagabend auch der Biostatistiker Geert Molenberghs (UHasselt und KU Leuven) teil. Alle Beteiligten forderten einmal mehr Schnelltests und eine prioritäre Impfung der Schulpersonale, um Corona-Ansteckungen im Schulwesen vorzubeugen. Doch dies findet nach wie vor auf Ebene der belgischen Bundesregierung kein Gehör. Die Vorschläge der Bildungsminister müssen noch von der Regierung und vom Konzertierungsausschuss angenommen werden. 

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