Volle Züge zur Küste? Westflanderns Gouverneur wirft Bahn und Verkehrsminister Versäumnisse vor

Carl Decaluwé (Foto), der Gouverneur der Provinz Westflandern, macht sich vor den Osterferien und vor Wochenenden mit schönem Wetter einmal mehr Sorgen um große Mengen an Tagestouristen, die mit dem Zug zur Küste anreisen. Jetzt wirft er der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB und Bundesverkehrsminister Georgen Gilkinet (Ecolo) Versäumnis vor, wie er nach einem Gespräch mit beiden andeutete und will juristische Schritte, wie z.B. eine Verzugsklage einleiten.

Gouverneur Decaluwé ärgert sich darüber, dass weder die Bahn, noch der Minister angesichts von Osterferien und rasant steigenden Corona-Zahlen konkrete Pläne vorlegen, wie dieses Problem in den Griff zu bekommen sei. Bahn und Minister würden ihre Verantwortung nicht übernehmen, so Decaluwé: „Das war wieder einmal kein konstruktives Gespräch. Die Bahn konnte zu keinem der dringenden Problemen eine Antwort bieten. So führen wir schon ein Jahr lang die gleiche Diskussion ohne jegliche Lösung.“

Jetzt wirft Decaluwé Bahn und Minister auf juristischem Wege Verzug vor: „Auch das Kabinett des Verkehrsministers übernimmt keine einzige Verantwortung. Wenn auf diese Verzugsklage keine Reaktion folgt, dann liegt der Weg zum Staatsrat offen. Auch das Schließen von Bahnhöfen gehört zu den Möglichkeiten. Überall müssen Protokolle im Rahmen der Corona-Maßnahmen eingehalten werden, doch für die NMBS zählen Vorschriften, wie das Abstandhalten offenbar nicht. Das ist unverantwortlich.“

Am Mittwoch kommt es wieder zu einer Besprechung mit dem Gouverneur und der Bahn. Doch schon jetzt droht ein juristischer Streit, denn für Decaluwé ist die Möglichkeit für eine ultimative Einigung bereits einige Male verpasst worden…

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Bahnhof Ostende

Immer wieder überrannt

Der gesamte Nordsee-Küstenstreifen liegt in der Provinz Westflandern und immer wieder seit Ausbruch der Coronakrise geraten Provinzgouverneur Decaluwé und die Bahn bzw. deren Aufsichtsminister aneinander, wenn es darum geht, dass zu viele Tagestouristen mit dem Zug zur Küste kommen. Nicht selten führt dies zu wenig den Corona-Maßnahmen entsprechendem Gedränge in den Küstenbadeorten. Und nicht zuletzt ist auch ein Gedränge in übervollen Zügen immer wieder eine Möglichkeit, das Virus zu verbreiten.

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Bahnhof Blankenberge: Die Polizei musste letzten Sommer bei vollen Zügen immer wieder eingreifen

Ostende und Blankenberge am meisten betroffen

Ostende und Blankenberge sowie in geringerem Maße Knokke haben Bahnhöfe, die von Tagestouristen massiv per Zug angesteuert werden. Blankenberges Bürgermeisterin Daphné Dumery (N-VA) steht hinter der Verzugsklage des Gouverneurs und auch Bart Tommelein (Open VLD), der Bürgermeister von Ostende reagiert.

Er will der Bahn einen offiziellen Brief schreiben. Tommelein droht ebenfalls mit juristischen Schritten und kündigte an, andernfalls selbst Maßnahmen treffen zu wollen. Das kann eine Sperrung bestimmter Orte in der Stadt sein, aber auch die Schließung des Bahnhofs, wobei er auf die Unterstützung seines Provinzgouverneurs wohl zählen kann.  

Auch in Corona-Zeiten bleibt Ostrende ein beliebtes Ausflugsziel

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