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Vier Minderjährige mit Plänen für Terroranschläge verhaftet: Einer hatte bereits eine Machete gekauft

Im Januar und Februar hat die Polizei vier Jugendliche im Alter von 16 und 17 Jahren verhaftet, weil sie individuell Pläne für einen Terroranschlag in Belgien hatten. Der Bericht wurde vom Privatsender VTM News veröffentlicht und inzwischen von Justizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD) bestätigt: "Zum ersten Mal seit drei Jahren stehen Minderjährige auf unserer Terroristenliste. Das ist alarmierend", sagte Van Quickenborne.

Bis vor fünf Monaten stand kein einziger Minderjähriger auf der Liste der Personen, die von der Behörde für Terrorgefahr OCAD überwacht werden. Anfang November 2020 allerdings wurden zwei Minderjährige in Eupen verhaftet. Sie planten eine Terroraktion gegen die Polizei. Anfang 2021 wurden vier weitere Minderjährige verhaftet. Sie planten individuelle Anschläge. 

Einer der Jugendlichen hatte eine Machete gekauft", sagte Justizminister Vincent Van Quickenborne (Open Vld, Foto unten rechts) der VRT, "Der andere wollte Messer kaufen. Es handelt sich um sogenannte Einzelkämpfer, um labile Persönlichkeiten, die im Internet Kontakt zu Hasspredigern haben und von extremistischen Ideologien beeinflusst werden. Die Terrorpläne hatten sie nicht gemeinsam gefasst, sondern jeder für sich allein." 

Radio 2

Die belgischen Sicherheitsdienste nahmen die Lage ernst und verhafteten die vier Jugendlichen, die inzwischen in einer Jugendeinrichtung verbleiben. Sie stehen weiterhin unter Beobachtung und in Kontakt mit Organisationen, die sich um eine Deradikalisierung der Betroffenen kümmern sollen. 

Profil

"Es sind junge Belgier mit verschiedenen Hintergründen", betonte der Justizminister: "Manche haben sich zum Islam bekehrt, die einen stammen aus Flandern, die anderen aus der Wallonie. Was uns vor allem auffällt, ist, dass es sich um Jugendliche und Familien handelt, die den Sicherheitsdiensten nicht bekannt waren. Was die Arbeit erschwert. Die Radikalisierung vollzieht sich vor dem Bildschirm. Deswegen muss man diese schnell ausfindig machen. Das ist uns hier gelungen." 

Mord an Lehrer Paty in Frankreich war ein Trigger

AFP or licensors

Warum diese Jugendlichen für einen radikalen Islam eifern, ist noch nicht klar. Wohl, dass diese Radikalisierung sich in den letzten Monaten vollzogen hat. 

"Auffallend ist, dass der Mord an Samuel Paty auch in Belgien ein wichtiges Signal für die Radikalisierung von Minderjährigen war", so Justizminister Van Quickenborne. Der französische Lehrer für Geschichte hatte zwei Karikaturen des Propheten Mohammed während einer Unterrichtsstunde über Meinungsfreiheit gezeigt. Daraufhin wurde er von einem radikalen Jugendlichen enthauptet. 

"Wir sehen jetzt zum ersten Mal seit drei Jahren Minderjährige auf unserer Terroristenliste", so der Minister weiter. "Zuerst die beiden Minderjährigen in Eupen. Und jetzt kommen noch vier weitere minderjährige Einzeltäter. (…) Wir müssen unbedingt ein Auge auf diese jungen Leute haben." Auch die Corona-Krise kann die Radikalisierung auslösen. Junge Leute verbringen mehr Zeit am Computer und haben weniger außerschulische Aktivitäten. 

Mehr Mittel und Gesetzesänderung

Justizminister Van Quickenborne hat zusätzliche Mittel für die Sicherheitsdienste im Kampf gegen Radikalisierung und Terror bereitgestellt. In diesem Sinne ist auch eine Gesetzesänderung geplant, damit die Sicherheitsdienste leichter mit einer falschen Identität im Internet patrouillieren können.

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