Der 3. Lockdown soll den belgischen Einzelhandel bis zu 1 Mia. € kosten

Nach Schätzungen des belgischen Handels- und Einzelhandelsverbands Comeos werden die neuen Corona-Maßnahmen zur Eindämmung der weiteren Verbreitung von Covid-19 für Verluste von rund 1 Mia. € sorgen. Zudem würde dieser 3. Lockdown in unserem Land bis zu 13.000 Arbeitsplätze im Einzelhandel akut bedrohen. Der Konjunkturbarometer der Belgischen Nationalbank (BNB) geht allerdings mittelfristig wieder von einer Erholung aus. 

In den kommenden 4 Wochen können die als nicht-essentiell geltenden Geschäfte ihre Kunden nur nach Absprache empfangen (die Liste der Geschäfte, die offen bleiben, finden Sie im nebenstehenden Beitrag). Dies würde im Einzelhandel für Umsatzverluste von bis zu 1 Mia. € führen, so Comeos. 

Zudem seien die Geschäftsleute noch nicht offiziell darüber informiert worden, wie sie denn jetzt den Regeln entsprechend vorgehen sollen. Lora Nivesse von Comeos sagte dazu gegenüber VRT NWS: „Wir haben schon Freitagmorgen und der ministerielle Beschluss dazu ist noch nicht veröffentlicht worden. Die Geschäftsleute versuchen, ein System aufzustellen, das so einfach wie möglich ist, doch ohne präzise Vorgaben ist das unmöglich.“

Die Geschäftsleute versuchen, ein System aufzustellen, das so einfach wie möglich ist, doch ohne präzise Vorgaben ist das unmöglich.“

Lora Nivesse, Comeos

Bundesinnenministerin Annelies Verlinden (CD&V) gab am Freitag zu verstehen, dass es den Einzelhändlern, die auf Absprache mit ihren Kunden umschalten müssen, selbst überlassen ist, wie sie dies gestalten. Die Regierung besteht lediglich auf Systeme mit Terminvergabe in festen Zeitfenstern, so Verlinden. Das könne mit einem kleinen Verwaltungsaufwand gewährleistet werden. Das Kunden auf Verdacht zu einem Geschäft gehen und vor Ort in einer Warteschlange auf ein Zentfenster zu hoffen, hält Verlinden im Sinne von Kontaktvermeidung für keine gute Idee, doch ein dahingehendes Verbot wurde auch nicht erlassen. 

Einkaufen nach Absprache in den nicht wichtigen Geschäften ist nach den neuen Corona-Maßnahmen ab Samstag (27. März) erforderlich. Laut Comeos wollen ohnehin rund 85 % der Einzelhändler in den kommenden Tagen auf „Click an Collect“ umschalten. 

Konjunkturbarometer

Im Gegensatz dazu meldet die Belgische Nationalbank (BNB) im aktuellen Konjunkturbarometer mittelfristig wieder steigende Werte, die höher liegen, als vor der Corona-Krise. Offenbar blicken die belgischen Unternehmen wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Das Unternehmervertrauen stieg im März auf ein Niveau, dass den Werten von vor Corona entspricht. Die aktuellen Werte liegen sogar auf den höchsten Stand seit März 2019.

Die steigende Zuversicht sei in allen Sektoren zu spüren, auch und gerade im Handel, so die BNB in ihrem am Donnerstag erschienen Konjunkturbarometer. Hier ist auch die Rede davon, dass der Handel wieder vermehrt Personal einstellen will und dass aufgrund der zu erwartenden höheren Nachfrage auch die Lager- und Angebotsbestände wieder aufgestockt werden sollen. 

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