Gewerkschaften streiken landesweit gegen die Begrenzung von Lohnerhöhungen auf 0,4 %

Die Streiks und Protestaktionen der christlichen und sozialistischen Gewerkschaften in Belgien sind am Montagmorgen insbesondere bei den öffentlichen Nahverkehrsmittelbetrieben und bei der Bahn zu spüren. Die Aktionen richten sich gegen die Pläne der Arbeitgeber, die Löhne und Gehälter, neben der Indexierung, lediglich um 0,4 Prozent für 2021 und 2022 zu erhöhen.

Von der landesweiten Protestaktion am Montagmorgen sind insbesondere die öffentlichen Verkehrsbetriebe betroffen. Die belgische Bahn gewährleistet nur eine minimale Dienstleistung. Das heißt, dass etwas mehr als die Hälfte der Züge fährt.  

Bei der flämischen Nahverkehrsmittelgesellschaft De Lijn fährt nur ein Fünftel der Busse und Straßenbahnen. Besonders betroffen sind die Provinzen Antwerpen und Limburg, wo so gut wie keine öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs sind. In Westflandern sind 1 von 3 Bussen und Straßenbahnen im Einsatz.  

Die Brüsseler Verkehrsgesellschaft MIVB/STIB bedient nur die Metrolinie 1 zwischen Westbahnhof und Montgomery. Die anderen Linien werden nicht betrieben. Straßenbahnen werden nur auf sieben der siebzehn Hauptlinien eingesetzt (Linien 3, 4, 7, 8, 9, 82 und 92), während Busse auf knapp einem Fünftel der Linien (36, 46, 53, 58, 59, 65, 71, 87, 89 und 95) fahren. 

Im Laufe des Tages wird auch ersichtbar, welche privaten Unternehmen an der nationalen Gewerkschaftsaktion teilnehmen. Am Montagmorgen stand bereits fest, dass die Belegschaften von großen Unternehmen wie Audi Brüssel, Arcelor Mittal in Gent, Proximus in Brüssel und Coca Cola in Antwerpen sich dem Streik angeschlossen haben. 

ACV-Gewerkschaftsboss: Streik ist notwendig, weil es keine Flexibilität mehr gibt

Der Vorsitzende der christlichen Gewerkschaft ACV, Marc Leemans, begründete den nationalen Streik u. a. mit einem Hinweis auf Colruyt: “Die Supermarktkette hat ihrer Belegschaft einen zusätzlichen freien Tag gegeben. Das ist bereits eine Lohnerhöhung von 0,5 %, gerechnet auf zwei Jahre. Dann muss man den Leuten sagen, 'Ihr habt schon mehr als genug bekommen'. 

Es stört den ACV-Boss insbesondere, dass die Sozialpartner bei den Lohnverhandlungen keinen Verhandlungsraum mehr haben. Das liege an der 2017 von der Michel-Regierung vorgenommenen Anpassung der Tarifverhandlungen. “Den Arbeitgebern werden Millionen Euro zugeschoben, die bei den Verhandlungen außen vorbleiben. Das ist nicht korrekt." 

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“Weltfremd”

Die Arbeitgeber halten den Streik für unangebracht, jetzt, wo die Wirtschaft unter der Corona-Pandemie leidet und wieder verschärfte Maßnahmen gelten. 

Pieter Timmermans von der Arbeitgeberorganisation VBO nennt den Streik "weltfremd": “Kennen Sie ein einziges anderes Land, das während der Corona-Krise streikt? Wer wird davon profitieren? Niemand." Er weist darauf hin, dass die Löhne nicht um 0,4 Prozent steigen, sondern um 3,2 Prozent, wenn man den Lohnindex einbezieht. 

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