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Polizeibeamter aus Lommel schuldig befunden, einem Verdächtigen in Handschellen Schläge ins Gesicht versetzt zu haben

Das Antwerpener Berufungsgericht hat einen Hauptkommissar von Lommel (Provinz Limburg) wegen übermäßiger Gewaltanwendung schuldig gesprochen. Auf Videobildern war zu sehen, wie er einem Mann in einer Zelle sechsmal ins Gesicht schlägt. Im Anschluss an den Bericht der VRT-Pano-Redaktion über Polizeibrutalität waren die Bilder an die Redaktion übermittelt worden. Der Polizist war zuvor von einem ersten Richter freigesprochen worden. 

Der Sachverhalt selbst geht auf den Mai 2015 im McDonald's in Lommel zurück. Ein 27-jähriger Mann verursachte Krawall, weil seine Gutscheine nicht sofort akzeptiert wurden. Er griff eine Mitarbeiterin an und soll versucht haben, sie durch die Schalteröffnung des Drive-ins zu ziehen. Die Polizei wurde herbeigerufen. Sie nahm den Mann mit auf die Polizeiwache. 

Nach Polizeiangaben habe der Mann widerspenstig reagiert und mehrfach versucht, den Polizisten einen Kopfstoß zu versetzen. Der Mann selbst bestreitet dies und sagt, dass er im Gang zu seiner Zelle mit dem Kopf gegen die Wand gestoßen wurde. Dafür gibt es keine Kamerabilder und auch keine Beweise. In der Zelle selbst hing jedoch wohl eine Kamera. 

Auf den Bildern ist zu sehen, wie der Mann vom Chefinspektor am Ohr festgehalten und sein Kopf gegen die Wand geschlagen wird. Nach Angaben des Polizeibeamten versuchte der in Handschellen gefesselte Mann, ihm einen Kopfstoß zu versetzen. Anschließend ist zu sehen, wie er dem Mann innerhalb weniger Sekunden sechs Schläge ins Gesicht versetzt. Der Mann fällt bewusstlos zu Boden und erbricht Blut. Nach ein paar Minuten trifft ein Arzt ein, der den Mann ins Krankenhaus einweist. 

Für den Anwalt des Verhafteten, Jan Swennen, gab es aufgrund der Bilder wenig Zweifel, dass es sich um einen Fall von Polizeigewalt handelt: "Mein Mandant trägt Handschellen, ist von drei Polizisten umgeben und befindet sich in der Zelle. Sechs Schläge waren nicht gerechtfertigt."

Berufungsgericht entscheidet anders

Das Gericht in Hasselt hatte in einem ersten Prozess entschieden, dass der Hauptkommissar sich nur verteidigt habe und die verabreichten Schläge nicht unverhältnismäßig waren. 

Das Berufungsgericht hat jetzt anders entschieden und den Hauptkommissar schuldig gesprochen. Die Strafe wird allerdings suspendiert. Das heißt, der Polizist wird keine Strafe erhalten und gilt auch nicht als vorbestraft. Die Polizeibehörden können noch eine Disziplinarstrafe verhängen, obwohl sein Anwalt Erik Schellingen nicht glaubt, dass es dazu kommen wird.

Der Mann, der Opfer der Polizeigewalt wurde, ist wegen seines Angriffs auf die Mc-Donald's-Mitarbeiterin wegen Körperverletzung sowie wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt verurteilt worden.

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