Strafakten im Corona-Jahr 2020: 25 % der Delikte von Minderjährigen waren Verstöße gegen Corona-Vorschriften

Die Corona-Pandemie hat sich auch auf die Statistik der belgischen Strafverfolgungsbehörden im Jahr 2020 ausgewirkt. Verstöße gegen die Corona-Vorschriften (130.000 Akten) haben die Anzahl der Strafakten insgesamt (231.298 Akten) deutlich erhöht. Das haben die Generalstaatsanwälte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Brüssel gesagt. Ein Viertel der von Minderjährigen begangenen Straftaten richteten sich gegen die Corona-Vorschriften. 

Maßnahmen gegen die Pandemie, u. a. das Versammlungsverbot, die Reisebeschränkungen und Ausgangssperren, haben einerseits zu einem Anstieg bestimmter Straftaten geführt, andererseits aber auch für einen Rückgang gesorgt: “Klassische” Delikte wie Diebstahl und Erpressung sind zwischen 2019 und 2020 um 21 % zurückgegangen. 

Auch die Fälle im Zusammenhang mit dem Besitz und Verkauf von Drogen sind zwischen 2019 und 2020 gesunken und zwar um 11 %. Zu dieser Entwicklung haben die Schließung der Grenzen, die Absage von Festivals und Sportwettkämpfen beigetragen, so die Gerichtsbehörden. 

Merklich gestiegen sind zwischen 2019 und 2020 dagegen die Fälle von Betrügereien im Internet (+32 %) und Kinderpornografie.  Was die Fälle von häuslicher Gewalt betrifft, so beträgt der Anstieg 5 % und das ist weniger als von Experten befürchtet.  

Bei den Minderjährigen stand jede vierte erfasste Straftat im Zusammenhang mit den Corona-Vorschriften, wie z. B. die Nichteinhaltung des Versammlungsverbots, der Ausgangssperre, der Maskenpflicht oder der Abstandsregel.

Anzahl Strafakten sind keine Angaben über Kriminalität

Die hier veröffentlichten Zahlen beziehen sich auf die Anzahl der von den Staatsanwälten bearbeiteten Fälle und nicht um exakte Verbrechenszahlen. Wenn weniger Akten für Wohnungseinbrüche angelegt wurden, bedeutet dies nicht unbedingt, dass die Anzahl der Einbrüche auch zurückgegangen ist. Die Tatsache, dass in bestimmten Kategorien, wie z. B. Kinderpornografie, mehr Akten angelegt wurden, kann auf die Prioritäten der Staatsanwaltschaften hinweisen. 

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