Krawalle in Brüsseler Park ‚Ter Kamerenbos‘: Dutzende Verletzte, 22 Personen festgenommen

8 verwundete Jugendliche, 26 verwundete Polizisten und 7 verwundete Polizeipferde, das ist die Bilanz der Unruhen im ‚Ter Kamerenbos‘ (Bois de la Cambre) in Brüssel. Eine gefälschte Ankündigung zu einem spontanen Festival in den sozialen Medien wurde von tausenden junger Leute ernst genommen. Sie versammelten sich am Donnerstagnachmittag in der Parkanlage, um zu feiern ohne sich an die Coronaregeln zu halten. Als die Polizei eingriff, geriet die Situation außer Kontrolle. Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V) ist sehr verärgert.

Tausende von Jugendlichen versammelten sich gestern im ‚Ter Kamerenbos‘ (Bois de la Cambre) in Brüssel, nachdem eine Facebook-Einladung zu einem (nicht bestehenden) Festival, genannt "La Boum", veröffentlicht worden war. Sie feierten zusammen, oft ohne Maske. Als die Polizei gegen 16 Uhr eingreifen wollte, wurde die Stimmung schnell aggressiv. Deshalb setzten die Sicherheitskräfte die großen Mittel ein: Pferde, Hunde und der Wasserwerfer.

Um 18.30 Uhr war der Park weitgehend geräumt, aber ein harter Kern von mehreren hundert Jugendlichen spielte weiter Katz und Maus mit der Polizei. Erst um 22 Uhr kehrte wieder Ruhe ein.

Schlimme Bilanz

Insgesamt 26 Polizeibeamte wurden bei dem Einsatz verletzt,  die meisten durch von den Jugendlichen geworfene Projektile. "Ein Kollege musste wegen einer Kopfwunde ins Krankenhaus", so Sprecherin Ilse Van de Keere von der Brüsseler Polizei. "Darüber hinaus wurden auch 7 Pferde verletzt. Unter den Teilnehmern wurden 8 Verletzte gezählt. Von ihnen wurden 6 an Ort und Stelle versorgt und 2 mit relativ leichten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert."

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22 Personen verhaftet

Nach Angaben der Polizei waren etwa 2.000 Menschen anwesend, nach Angaben unseres Reporters vor Ort waren es jedoch viel mehr Menschen. Insgesamt wurden 22 Personen festgenommen: 4 von ihnen bleiben in Haft, gegen 18 weitere Personen wird wegen Ruhestörung ermittelt. "Ob es weitere Verhaftungen geben wird, hängt von dem verfügbaren Bildmaterial ab."

Es ist die Rede davon, dass ähnliche Menschenansammlungen wie die gestrige im ‚Ter Kamerenbos‘ (Bois de la Cambre) auch in den kommenden Tagen in Brüssel stattfinden könnten. Die Polizei kündigte an, sie sei vorbereitet sind und könne wieder viele Beambte vor Ort einsetzen. "Ich kann nur jeden bitten, vernünftig zu sein. Natürlich werden die Einsatzkräfte wieder vor Ort sein, wenn es nötig ist", sagte Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V, flämische Christdemokratin) im Interview mit VRT NWS. 

Innenministerin Verlinden ist empört

Ministerin Verlinden reagierte auf jeden Fall sehr verärgert auf die gestrigen Vorfälle. "Natürlich verstehe ich, dass es eine schwierige Zeit für junge Leute ist, das Wetter ist schön, einige sehen die Prüfungen nahen und wollen sich etwas Sauerstoff gönnen. Aber was ich absolut nicht verstehe, ist, dass das auf diese Art und Weise enden muss. Was gestern passiert ist, ist eine unsichere Situation: viel enger Kontakt, ohne Mundschutz. Junge Menschen können sich dort anstecken und Corona an Familienmitglieder und andere Menschen weitergeben. Ich bin darüber empört."

Dies war eine Party auf Kosten der Gesundheitsversorgung
Innenministerin Annelies Verlinden (CD&V)

Die Polizei habe versucht, die Menschenansammlung friedlich aufzulösen und sei auf die angekündigte Veranstaltung ausreichend vorbereitet gewesen. "Ich möchte den Sicherheitskräften  ausdrücklich für ihre Bemühungen danken. Es ist schon seit Monaten sehr schwierig für die Polizei, und so etwas kommt dann noch hinzu. Aus den Bildern, die ich gesehen habe, und den Informationen, die ich erhalten habe, geht hervor, dass die Polizei zunächst mit den Jugendlichen sprach und sie aufforderte, das Gelände zu verlassen. Das funktionierte nicht, und dann müssen sie natürlich zu deutlicheren Maßnahmen greifen“.

Aber sollte es nicht trotzdem mehr Perspektiven für junge Menschen geben? Denkt die Ministerin zum Beispiel nicht an coronasichere Testveranstaltungen in kleinerem Rahmen. "Das ist sicherlich etwas, was wir auch diskutiert haben", so die Innenministerin. "Es wird untersucht, wie wir das hier möglich machen können, aber mit den jetzigen Corona-Zahlen steht das nicht zur Debatte."

Brüsseler Bürgermeister Close: "Willkommen im Park, aber nicht zur Party"

Der Brüsseler Bürgermeister Philippe Close spricht von einer "schwierigen Situation". "Es ist hart für die Polizeikräfte, aber auch für die Bevölkerung. Die Aufgabe der Polizei ist es auch, eine klare Botschaft an die Bevölkerung zu senden: Jeder ist in unseren Parks willkommen, aber eine Party ist inakzeptabel."

"Alle sind genervt, vor allem das Pflegepersonal", stellt er fest. "Ich möchte eine Botschaft an die jungen Leute senden: Wir sind bereit, nach der Corona-Krise viele Party‘s zu organisieren. Aber jetzt ist es noch zu früh."

Close lässt verlauten, dass ‚Ter Kamerenbos‘ offen bleiben soll. "Das ist für Familien sehr wichtig. So viele Menschen haben keine Gärten und Terrassen." Die Polizei wird jedoch auch heute anwesend sein, um bei neuen Menschenansammlungen einzugreifen. "Ich habe heute vormittag ein Treffen mit der Polizeibehörde, um alles auszuwerten", sagte er.

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