Belgischer Justizminister will Sexarbeit entkriminalisieren: Betroffene reagieren zufrieden

Flämische Sexarbeiter haben die Nachricht begrüßt, dass der belgische Justizminister Vincent Van Quickenborne (Open VLD, flämische Liberale) mit einer Gesetzesnovelle sicherzustellen will, dass Sexarbeit nicht mehr strafbar ist und nicht mehr in der Strafgesetzgebung auftaucht. 

„Ich dachte, es sei ein Aprilscherz, als die Nachricht in unserer Facebook-Gruppe auftauchte", sagt die Genter Sexarbeiterin Véronique.  Véronique glaubt, dass es vor allem deshalb wichtig ist, weil die Entkriminalisierung einen deutlichen Unterschied zwischen Sexarbeiterinnen, die ihren Job freiwillig ausüben, und Menschenhändlern und Zwangsprostitution möglich mache.

Wendy Gabriëls von Violett, einer Organisation, die die Interessen von Sexarbeitern vertritt und Unterstützung anbietet, ist ebenfalls zufrieden: "Diese Branche aus dem Bereich der Kriminalität herauszunehmen, ist eine gute Nachricht".

Im Parlament begründete Justizminister Van Quickenborne die laut ihm überfälligen Gesetzesnovelle damit, Sexarbeit sei in Belgien momentan zwar strafbar, werde aber toleriert und in einigen Städten und Kommunen sogar besteuert.  „Das ist heuchlerisch und gefährlich, weil es Sexarbeit in einer Grauzone belässt, in der die Betroffenen Opfer von Ausbeutung werden", so Van Quickenborne.

Véronique verweist auf die Steuer auf Räume, in denen Sexarbeiterinnen ihr Gewerbe ausüben: "Man kann die Stadt Antwerpen als den größten Zuhälter des Landes bezeichnen", findet sie.

Der Justizminister fügte hinzu, die Entkriminalisierung der Sexarbeit ermögliche ihre Sozialversicherung und das mache sie zu einem normalen Beruf, mit allen Rechten und Pflichten.

Daan Bauwens von Utsopi, einer Organisation zur Verteidigung der Rechte von Sexarbeitern, sieht viele Vorteile: "Unabhängige Sexarbeiterinnen werden in der Lage sein, ein Bankkonto zu eröffnen, Versicherungen und andere Verträge abzuschließen.  Das alles ist im Moment nicht möglich."

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