Slowakei erhebt Zivilklage in der Untersuchung des Todes von Jozef Chovanec

Der slowakische Staat ist seit letzter Woche offiziell an den gerichtlichen Ermittlungen zum Tod von Jozef Chovanec (Foto) beteiligt, der 2018 nach einem brutalen Polizeieinsatz in einer Zelle am Flughafen Charleroi starb. Das schreibt die Zeitung Het Laatste Nieuws in ihrer Samstagsausgabe und wurde VRT NWS bestätigt.

Die Slowakei hatte bereits vor Monaten angekündigt, dass sie eine Rolle al Zivilklägerin bei den Ermittlungen zum Tod ihres Landsmannes übernehmen wolle. Mit diesem Schritt wäre der slowakische Staat in der Lage, die Akte einzusehen und seinen eigenen forensischen Experten zu entsenden. Es hat einige Zeit gedauert, aber nun wird die Anwältin Ann Van de Steen, die die Witwe und die Tochter von Jozef Chovanec vertritt, auch die Interessen des slowakischen Staates vertreten.

Jozef Chovanec, 38, starb im Februar 2018, nachdem die Polizei ihn auf dem Rollfeld des Flughafens Charleroi festgenommen und in eine Zelle gesperrt hatte. Während dieses heftigen Einsatzes machte eine Polizistin einen Hitlergruß (Foto unten). Die Untersuchung lief bereits seit zwei Jahren, als sie in die Medien kam und viel Aufmerksamkeit erregte. Die Slowakei stellte sich sofort große Fragen wegen des Todes ihres Staatsbürgers. Sie verlangte, dass die Europäische Kommission eine Untersuchung einleitet, weil sie kein Vertrauen in die belgischen Ermittler hatte. Inzwischen wurde das Ermittlerteam um einen slowakischen Experten erweitert.

Aber die Slowakei geht noch weiter. Indem sie eine Zivilpartei wird, erhöht sie den Druck, den Fall endlich vor Gericht zu bringen. "Vor allem die möglichen rassistischen Motive, die aus dem Nazi-Gruß hervorgehen könnten, haben die Slowakei hart getroffen", sagt Anwältin Ann Van de Steen. Der Staat verlangt vorerst 1 Euro Schadenersatz.

Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen. Normalerweise hätte im Februar eine Rekapitulation des Tathergangs am Flughafen Charleroi stattfinden sollen, die aber wegen der Corona-Maßnahmen verschoben wurde.

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