Belgien will kommende Woche über den weiteren Einsatz von AstraZeneca entscheiden

Belgien will den Rat der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) abwarten, bevor es Änderungen an seiner Impfpolitik und der Verwendung des Impfstoffs von AstraZeneca vornimmt.  Derzeit wird der Impfstoff bei allen Erwachsenen unabhängig von ihrem Alter eingesetzt. Eine neue Empfehlung wird am Dienstag erwartet.  Eine entsprechende Entscheidung in Belgien könnte bereits am Mittwoch fallen.

Deutschland und die Niederlande haben beschlossen, den Impfstoff von AstraZeneca nicht mehr bei unter 60-Jährigen einzusetzen.  Die Entscheidung kommt nach Berichten über außergewöhnliche Thrombosen bei jungen Frauen, nachdem sie die Impfung erhalten hatten.  

Der Vakzinologe Pierre Van Damme (Universität Antwerpen) ist Mitglied des Hohen Rates für Gesundheit. Er erklärt, dass bei der Zulassung des Impfstoffs durch die EMA einige Länder der Meinung waren, es gäbe nicht genügend Daten über die Wirksamkeit des Impfstoffs bei über 55-Jährigen.  Infolgedessen wurde der Impfstoff zunächst nur bei Personen unter 55 Jahren eingesetzt. 

Erst als neue Informationen aus den USA und Großbritannien die Wirksamkeit des Impfstoffs bei älteren Menschen nahelegten, wurde er bei allen Erwachsenen eingesetzt. Erst dann folgten Berichte über außergewöhnliche Blutgerinnsel.  Einige Länder beschlossen daraufhin, die Verwendung des Impfstoffs auszusetzen.  Die EMA entschied dann jedoch, dass die Vorteile des Impfstoffs die möglichen Risiken überwiegen. Einige Länder setzen nun erneut die Verwendung des Impfstoffs aus, was in den Ländern, in denen der Impfstoff noch verwendet wird, Besorgnis in der Bevölkerung auslöst.

Belgische Politik trifft voraussichtlich am Mittwoch eine Entscheidung

Die EMA prüft derzeit weitere Daten, um eine neue Empfehlungen zu formulieren. „In den Niederlanden wurden 5 außergewöhnliche Thrombosen registriert, nachdem 400.000 Menschen geimpft worden waren.  In Großbritannien sind es 30 Fälle bei 18 Millionen Impfungen. Die Zahlen verdeutlichen, wie selten es zu dieser Komplikation kommt.  Das macht es außerordentlich schwierig, einen kausalen Zusammenhang zu beweisen", sagt Prof. Van Damme.

Auf europäischer Ebene finden nun Konsultationen statt, bevor eine Empfehlung formuliert wird, die dann den Politikern vorgelegt wird, die das letzte Wort haben werden.

Prof. Van Damme (Foto unten) erwartet bis Dienstag eine neue europäische Beratung und am Mittwoch eine Entscheidung in Belgien.

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