Pixabay

Wiedereröffnung am 1. Mai? Gastronomie und Brauereien wollen schnell Gewissheit

Die Gastronomie und ihre Zulieferer bitten um mehr Klarheit über die mögliche Wiedereröffnung am 1. Mai, denn ein Restaurant oder eine Kneipe nach sechs Monaten erneut eröffnen, geht nicht von heute auf morgen. Auch die Brauer wünschen sich einen baldigen definitiven Termin, damit sie genügend frisches Bier brauen können. In der Zwischenzeit sind sie bereits mit den Vorbereitungen beschäftigt: vom Spülen der Zapfanlagen bis zum Abtransport von abgelaufenem Bier. 

Der 1. Mai gilt vorerst noch immer als offizieller Termin für die Wiedereröffnung der belgischen Gastronomiebetriebe. Vieles wird von der Entwicklung der Corona-Neuinfektionen abhängen. Nachdem die nicht-medizinischen Kontaktberufe kürzlich wieder schließen mussten, ist es sehr fraglich, ob die Wiedereröffnung der Kneipen, Restaurants und Hotels in weniger als einem Monat noch realistisch ist. Aber das Hotel- und Gaststättengewerbe wünscht sich bald mehr Klarheit.

Eine Kneipe oder ein Restaurant eröffnet man nicht über Nacht neu. Im ‚De Rooden Hoed‘, dem ältesten Restaurants Antwerpens, beispielsweise laufen schon jetzt die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nicht einfach, denn es ist noch nicht klar, wie viele Personen Eigentümer Cas Goossens einlassen kann.

Die meisten Bestellungen können in letzter Minute aufgegeben werden, aber einige Produkte müssen wirklich rechtzeitig bestellt werden. "Kanadischer Hummer kommt aus Kanada, er muss hierher transportiert werden", sagt Goossens. "Das ist in erster Linie ein Problem für die Lieferanten. Werden sie 50 oder 500 Hummer liefern müssen? Ein großer Unterschied, natürlich."

Henning Bode/laif

Große Herausforderung für die Brauereien

Auch die Brauer sind bereits voll mit den Vorbereitungen zu Gange. "Wir machen jetzt alle Zapfanlagen und technischen Installationen einsatzbereit", erklärt Peter Buelens von Royal Swinkels Family Brewers, die unter anderem die Biere Palm, Rodenbach und Cornet brauen. "Wir haben aus dem ersten Lockdown eine Menge gelernt. Wenn die Kneipen am 1. Mai öffnen dürfen, wären die Zapfanlagen auf jeden Fall einsatzbereit."

Natürlich muss auch genügend Bier gebraut werden. "Wir haben immer weiter gebraut, aber in kleinerem Umfang", sagt Buelens. "Eine Brauerei muss weiterlaufen, um gut zu funktionieren." Natürlich gibt es auch die Biere, die in der Flasche nachgären, wie z.B. Cornet. Für diese Sorten ist das alles kein Problem. "Wir haben unsere Vorkehrungen getroffen, damit wir auf jeden Fall genug Bier auf Lager haben. Auch das haben wir aus dem ersten Lockdown gelernt."

Wenn die Kneipen am 1. Mai öffnen, werden die Zapfanlagen einsatzbereit sein
Peter Buelens von Royal Swinkels Family Brewers

In der Brauerei Omer Vander Ghinste in Bellegem bei Kortrijk kann man ungefähr die gleiche Geschichte hören, obwohl die Betreiber aufgrund ihrer geringeren Größe eher Klarheit bräuchten. Die Brauerei hat eine strategische Bevorratung eingeplant, muss aber bis Mitte des Monats wissen, ob die Gastronomie am 1. Mai öffnet oder nicht, sonst befürchtet sie Probleme mit dem Nachschub.

Das Problem liegt hauptsächlich beim fassgereiften Bier. "Um unsere Bockorpils fertig im Fass zu haben, brauchen wir mindestens 5 Wochen", erklärt Omer-Gery Vander Ghinste gegenüber VRT NWS. "Unsere Bestände sind minimal. Wir fangen erst dann an, voll zu brauen, wenn wir sicher sind, wann die Gastronomie wieder öffnet."

Um unsere Bockorpils fassreif zu halten, benötigen wir mindestens 5 Wochen
Omer-Gery Vander Ghinste von der Brauerei Omer Vander Ghinste

"Die Gastronomie ist seit sechs Monaten geschlossen, aber die meisten Bieres sind im Fass nur sechs Monate haltbar", erklärt Omer-Jean Vander Ghinste. "Wir sammeln jetzt das Altbier kostenlos in den Kneipen ein." Das Omer-Starkbier wird in der Flasche nachgegoren und da gibt es keine Probleme. Eher im Gegenteil: die Qualität dieser Biere wird sogar besser.

Hinzu kommt die komplexe Logistik, die es zu lösen gilt. "Wenn eine Woche oder vierzehn Tage vorher bekannt gegeben wird, dass die Kneipen öffnen können, dann sind wir zur Stelle", sagt Buelens. "Wenn die Bierhändler aber alle zur gleichen Zeit bestellen, wird es für uns nicht einfach werden, alle mit Bier zu beliefern."

Omer Vander Ghinste

Meist gelesen auf VRT Nachrichten