Belgiens Corona-Kommissar empfiehlt, die Gastronomie erst ab Mitte Mai wieder öffnen zu lassen

Pedro Facon (Foto), der Corona-Kommissar der belgischen Regierung, empfiehlt, dass die Gastronomie in unserem Land frühestens ab Mitte Mai wieder öffnen könne. Dies will Facon dem Konzertierungsausschuss, der am kommenden Mittwoch zusammenkommen wird, ans Herz legen. Angesichts des hohen Drucks auf das Krankenhauswesen in Sachen Covid-19 „sollte man besser nicht zu schnell vorgehen“, so der Regierungs-Kommissar.

Die Regierungen in Bund, Ländern und Regionen in Belgien haben bei ihrer letzten Konzertierung unter Vorbehalt angedeutet, dass die Cafés, Kneipen und Restaurants vielleicht schon wieder ab dem 1. Mai öffnen könnten. Sie machten dies aber von der Entwicklung der Corona-Gesundheitskrise abhängig und diese entspannt sich nur bedingt, wenn überhaupt.

Angesichts der hohen Zahl an Krankenhaus- und Intensivpatienten in Belgien werden alle Beteiligten aber wieder vorsichtig. Corona-Kommissar Pedro Facon sagte in der Samstagsausgabe der flämischen Wirtschaftszeitung De Tijd, dass die Regierung(en) am besten nicht zu schnell vorgehen sollten.

Ab dem 19. April Vollgas im Unterricht geben, ab dem 26. April die Abkühlungsperiode beenden UND ab dem 1. Mai die Gastronomie wieder öffnen plus weitere Lockerungen? Das ist zu viel.“

Belgiens Corona-Kommissar Pedro Facon

So ist geplant, dass die Schulen ab dem 19. April wieder ihren Betrieb aufnehmen sollen (in welchem Umfang und in welchem Wechsel zwischen Homeschooling oder Präsenzunterricht ist noch unklar). Und ab dem 26. April sollen die Geschäfte wieder in mehr oder weniger vollem Umfang öffnen können (bis dahin läuft in Belgien die „Abkühlungsphase“, auch „Osterpause“ genannt).

Wenn dann noch kurz danach die Gastronomie wieder öffnen soll, würde es zu viele Lockerungen gleichzeitig geben, so Facon: „Ich beschließe das nicht selbst, doch ab dem 19. April Vollgas im Unterricht geben, ab dem 26. April die Abkühlungsperiode beenden UND ab dem 1. Mai die Gastronomie wieder öffnen plus weitere Lockerungen? Das ist zu viel.“ 

Was sagen die Virologen?

Der Virologe Steven Van Gucht, Leiter des wissenschaftlichen Gesundheitsamtes Sciensano und Mitglied des Corona-Beratungskomitees GEMS, ist der gleichen Ansicht wie Facon, dass ab dem 19. April die Schulen wieder öffnen sollen: „Da sind sich alle einig und dass ist stets Priorität gewesen.“

Was die weiteren Lockerungen betrifft, bleibt auch er vorsichtig: „Der Rest wird wohl folgen, doch die Politiker müssen über das Timing bestimmen.“ Und dieses Timing ist auch für Van Gucht entscheidend: „Wenn wir zu schnell zu viel öffnen, dann riskieren wir, dass wie Kurve wieder nach oben geht.“

Der Virologe Marc Van Ranst von der Universität Löwen (KU Leuven), ebenfalls Mitglied im GEMS-Komitee, hält es auch für unmöglich, schon ab dem 1. Mai wieder Cafés und Restaurants zu öffnen: „Wenn wir feststellen, dass die Zahlen nicht schnell genug sinken, dann müssen wir zu gegebenem Zeitpunkt auch den Mut haben zu sagen, dass das am 1. Mai unmöglich sein wird.“

„Wenn man nach den Osterferien die Schulen wieder öffnet, dann wäre es vorsichtiger, noch einige Wochen zu warten, bevor man neue und ernste Lockerungen zulässt.“ Doch auch Van Ranst erinnert daran, dass es die Politiker sind, die dies beschließen müssen. 

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