Über 2 Millionen Belgier geimpft, darunter mehr Frauen als Männer

Nach einem holprigen Start nimmt die Impfkampagne in Belgien allmählich Fahrt auf. Mehr als zwei Millionen Belgier/innen haben bereits inzwischen ihre erste Impfung erhalten. Darunter sind viel mehr Frauen als Männer. Aus den jüngsten Zahlen des belgischen Gesundheitsamts Sciensano  und der flämischen Agentur für Pflege und Gesundheit gehen noch andere interessante Erkenntnisse hervor. 

Vier Monate nachdem der 96-jährige Jos Hermans am 27. Dezember als erster Flame gegen Corona geimpft wurde, sind 2.816.841 Impfdosen in Belgien gespritzt worden. Über 2,1 Millionen Einwohner haben ihre erste Dosis gegen das Corona-Virus erhalten. Das ist jeder fünfte Erwachsene in Belgien.  

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Bis eine Gruppenimmunität erreicht ist, müssen aber mindestens 70 Prozent vollständig geimpft sein. Am 16. April, so die jüngsten Zahlen von Sciensano, hatten 76,8 Prozent der Bevölkerung noch keine Dosis erhalten. 

Es hakt bei den Impfstoffherstellern

Einer der Gründe sind die schwankenden Lieferungen der Vakzinproduzenten. Insbesondere AstraZeneca und Moderna liefern nicht die Mengen, die versprochen worden waren.

Die Lieferungen von Pfizer sind dagegen zuverlässiger. Der Pfizer-Impfstoff wurde bereits 1.197.076 Mal in Flandern eingesetzt. Das sind weit mehr als die Impfdosen von AstraZeneca (399.020) und Moderna (87.495).   

Schwierigkeiten gibt es jetzt auch mit dem Pharmalabor Johnson & Johnson, bei dem Belgien fünf Millionen Dosen bestellt hat. Die ersten 36.000 Impfstoffe wurden letzte Woche ausgeliefert. Auf Anfrage des Herstellers sollen seine Impfstoffe aber bis auf Weiteres nicht verwendet werden, solange keine Klarheit über Nebenwirkungen herrscht, von denen in den USA berichtet wurde. 

In Flandern wurden bereits 86 Dosen des Johnson und Johnson-Impfstoffs verabreicht.  "Diese 86 registrierten Impfstoffe stammen aus der Zeit vor dem 31. März", sagt Joris Moonens von der flämischen Gesundheitsbehörde Agentschap Zorg en Gezondheid.  

Je älter, je mehr Frauen

In Flandern haben 91 Prozent der über 85-Jährigen bereits ihre erste Impfung erhalten. 37,7 Prozent sind vollständig geimpft. Auch viele über 75-Jährigen haben ihre erste Dosis inszwischen gespritzt bekommen. 

Die Durchimpfungsrate bei Personen unter 75 Jahren ist deutlich geringer. In der Altersgruppe der 65- bis 74-Jährigen hat nur jeder Vierte bereits seine erste Dosis erhalten. Bei den unter 65-Jährigen ist es etwa jeder Achte. 

Bis zu 70 Prozent der Personen, die vollständig geimpft sind, sind Frauen. Das hat damit zu tun, dass Frauen im Durchschnitt länger leben als Männer und dass die meisten Bewohner in den Seniorenheimen eben Frauen sind", erklärt Brecht Devleesschauwer von Sciensano. 

Es arbeiten aber auch mehr Frauen im Gesundheitswesen (78,6 Prozent nach Angaben der belgischen Statistikbehörde ; bei den Krankenschwestern sind es sogar 85,4 Prozent). 

“Der Unterschied der Impfungsrate zugunsten der Frauen wird verschwinden, je mehr Menschen geimpft werden", so Devleesschauwer: "Über alle Altersgruppen hinweg gibt es in der belgischen Bevölkerung etwa gleich viele Frauen wie Männer." 

Große Unterschiede zwischen den Gemeinden

In der westflämischen Gemeinde Koksijde an der Küste liegt die Durchimpfungsrate bei 30,9 Prozent. Im limburgischen Herstappe dagegen sind nur 12,66 Prozent der Erwachsenen geimpft worden.  

Dafür gibt eine einfache Erklärung. Herstappe ist die Gemeinde mit der kleinsten Einwohnerzahl in Belgien. Einige Impfdosen mehr oder weniger geben in der Statistik ein verzerrtes Bild. 

Dass Koksijde so gut abschneidet, liegt daran, dass es sich um eine Küstengemeinde handelt. "Viele Belgier ziehen nach der Pensionierung an die Küste. Deswegen sind die Küstenbewohner im Durchschnitt älter als im Inland und werden deswegen zuerst geimpft.” 

Nach Angaben von Statbel ist in den meisten Küstengemeinden ein Viertel der Einwohner älter als 65 Jahre.  

Flandern und die Wallonie im Gleichschritt, Brüssel hinkt scheinbar hinterher

In Flandern haben 22,9 Prozent der Erwachsenen ihre erste Injektion erhalten. In der Wallonie sind es 22,5 Prozent. Es gibt also keinen großen Unterschied zwischen Flandern und Wallonien in Bezug auf die Durchimpfungsrate. 

Mit nur 17,9 Prozent der Bewohner, die ihre erste Injektion erhalten haben, scheint Brüssel hinterher zu hinken, sagt Inge Neven, verantwortlich für die Corona-Strategie in der Region Brüssel-Hauptstadt. "Wir haben ebenso viele Dosen gespritzt wie Flandern und die Wallonie. Die realen Zahlen für Brüssel sind 70.000 höher als die Zahlen von Sciensano. Es ist nur eine Frage der Berichterstattungsmethode”, behauptet Neven, die das Missverständnis korrigieren will. 

Impfzentrum Heysel in Brüssel

In der Hauptstadt haben allerdings auch mehr Menschen ihre Zweifel an der Corona-Impfung geäußert. Möglicherweise wird Brüssel, je weiter die Impfkampagne fortschreitet, wohl hinter Flandern und der Wallonie liegen. 

"Wir tun deshalb alles, um die Bevölkerung zu sensibilisieren", sagt Inge Neven: "Auf diese Weise hoffen wir, die Menschen doch noch zu überzeugen.”  

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